Zeitschriftenband 
4 (1867)
Einzelbild herunterladen

9 8 3 4885 Von Hugo Schramm. 475

augenblickliche Wirkung, die Bemannung zu verdoppeln.Le navire est doublé! mit dieſen Worten ruft ſich die Mannſchaft in der höchſte Noth zu erneuerter Kraftanſtrengung auf, und dieſes Wort allein hat ſchon manches Schiff gerettet. Der Glaube kannBerge verſetzen, warum ſollte er nicht auch die Mannſchaft eines Schiffes vermehren können? Wird dadurch auch nur Ein Vater ſeinen Kindern erhalten, wer dürfte es wagen, ihn zu be lächeln?

Anderer Art iſt ein Aberglaube der Mädchen des Pollet. Dieſe ſuchen in dem Meerkies einen weißen, beſonders geformten Stein, den ſie la pierre de bonheur nennen, und dem ſie die Kraft zuſchreiben, ſie glücklich zu machen ſie aus einer Gefahr zu retten, und ihnen am Ende einen braven Ehegatten zuzuführen. Belächelt die Unſchuld und beneidet die Glücklichen, die keines anderen Schatzes bedürfen, um ſich glücklich zu glauben, als jenes Steines! Glücklich die Armen im Geiſte! Der Urſprung dieſes Glaubens iſt übrigens ſchwerlich im Chriſtenthum zu ſuchen, er iſt wohl älter. Da Katze für den Teufel hält, daß die Fiſcher ein wahres Grauſen erfaßt, wenn ſie eine ſolche auf ihren Schiffen finden, ließe ſich wohl erklären; de daß ſie einen beinahe ähnlichen Abſcheu und Schrecken vor dem Namen eines Aiiiee haben, daß ſie glauben, das Ausſprechen desſelben bringe Unglück, iſt Ui ſchawar zu begreiſen. Uebrigens habe ich die Erfahrung gemacht, daß auch

er Ruſſe die Begnung mit einem Popen nicht gern ſieht; iſt ein ſolcher unter den Paſſagieren eines Schiffes, ſo hat dieſes während der Fahrt, wie der Ruſſe glaubt, ſicher einen Sturm zu beſtehen; ſieht er einen Popen auf der Straße entgegenkommen oder quer vorübergehen, ſo wirft er haſtig eine Stecknadel fort, oder ſpuckt, in Ermanglung einer ſolchen, dreimal aus.

Endlich gilt auch im Pollet dreizehn als eine Unglückszahl. Ebenſo können ein umgeworfenes Salzfaß, über's Kreuz gelegte Meſſer und Gabel, verkehrt auf den Tiſch gelegtes Brod, auf den Tiſch geſtellte Schuhe oder Stie⸗ fel, verhängnißvoll werden; wer aber bei einem Feſte unter dem Balken ſitzt

iſt der nächſte, der ſich verheirathet und dergleichen mehr Die Urſachen all' die⸗ ſer kindiſchen Launen des Aberglaubens aufzuſuchen, wäre vergebliche Mühe. Man braucht dem Teufel wie den Weibern nur den kleinen Finger zu geben, ſo nimmt er die ganze Hand. Doch genug hiervon, denn ich fürchte ſonſt, den Leſer glauben zu machen, die braven Fiſcher ſeien am Ende doch auch von dem Schlage von Menſchen, die ſich durch einen Hokuspokus in's Bockshorn jagen laſſen, oder mit einem Paternoſter in aller Noth genug

3 man die