Zeitschriftenband 
4 (1867)
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462 Aus Näh' und Ferne.

Traf ein friſcher Vorrath von Taſchentüchern ein, ſo pflegten ſie ſie zuſam menzuſetzen und in ihrer Arbeit nicht abzulaſſen, bis alle geſäumt waren. Ein Donnerwetter allein vermochte ſie in dieſer Beſchäftigung zu unterbre⸗ chen wahrſcheinlich aus religiöſem Gefühl, wie ſie denn auch bei jedem Blitz ein Kreuz ſchlugen. An Sonntagen wurde ebenſogut gearbeitet, wie an Werktagen, und alle meine Bemühungen, ſie zur Feier des Sabbaths zu veranlaſſen, erwieſen ſich als vergeblich.

22. Fröſche und Waſſerſchlangen.

Man fühlt ſich geneigt, als wahr anzunehmen, was Aelian uns über die Fröſche und Waſſerſchlangen Egyptens erzählt. Die letzteren haben, ſagt er, eine leidenſchaftliche Vorliebe für Fröſche(d. h. ſoweit das Verzehren und Verdauen in Frage kommt), und niemand weiß das beſſer, als Junker Froſch, der deßhalb, wenn er in einem Sumpf mit einer Hydra zuſammen⸗ trifft, ſich einer merkwürdigen Schlauheit befleißt, um ihr zu entgehen. Die Waſſerſchlange ſtellt ſich ganz harmlos und unſchuldig an, wenn ſie auf ihren Raub ausgeht; allein unſer ſchleimiger Freund kennt dies und weiß wohl, welche bösliche Abſicht unter dem anſcheinend leidenſchaftloſen Gebahren ver⸗ borgen iſt. Er bemächtigt ſich des nächſten Zweiges, hält ihn quer in ſeinem Mund und nähert ſich nun furchtlos dem Feind. Der letztere ſperrt ſeinen Rachen auf gegen den Froſch; aber der Zweig iſt viel länger, als der Rachen des Ungethüms breit, und es kann daher von einem Verſchlucken des Froſches

keine Rede ſein. Dieſer ſchaut, durch ſeinen Zweig geſchützt, von außenän

den gräulichen Kehlſchlund hinunter und lacht. Die Schlange wiederholt und wiederholt ihren Verſuch, indem ſie das beabſichtigte Opfer umkreist; aber der Froſch bietet ihr immer die Stirne, und die Experimente endigen ſtets damit, daß die Hydra den Froſch nicht weiter bringt, als bis zum Ein⸗ gang ihres Rachens, und ihm Gelegenheit bietet, lachend in ihren Magen hinunterzuſchauen. Endlich verzichtet die Schlange verzweifelnd auf ihre eitle Mühe; Meiſter Froſch dagegen hüpft an einen ſicheren Platz, wo er ſeine Kameraden verſammelt findet, erzählte ſeine aufregende Geſchichte und nimmt die Glückwünſche entgegen, die in quackendem Chor ihn begrüßen.

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