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Aus Näh' und Ferne. 461
Sie bildeten ſozuſagen ein Stück der fahrenden Habe ihrer Herren, hatten keinen Antheil an den Löſegeldern und wurden oft von ihren Gebietern ge⸗ ſchlagen und mißhandelt. Zwei von dieſen Weibern führten Büchſen, die anderen drei waren mit Revolvern bewaffnet. Zwei waren große, ſchöne, kräftig gebaute Geſtalten; die dritte hatte ein melancholiſches, ſchmächtiges Geſicht, aber die größten ovalen Augen, die mir je zu Geſicht gekommen; die beiden anderen waren häßliche, ſtöckiſche Mädchen, welche mit dem Eſſen, das man ihnen anbot, nie zufrieden zu ſein ſchienen.— Doniella, die Zuhäl⸗ terin Pepino Cerino's, des Haupmanns der Bande, war eine kräftige Per⸗ ſon von ungefähr neunzehn Jahren, gut gebaut, mit ſchönem Geſicht, einem hübſchen Lächeln um den Mund und prächtigen Zähnen. Sie und ihr Mann zeichneten ſich aus durch ihren merkwürdigen Appetit, und wußten von den Lebensmitteln ſich ſtets die doppelte Portion zuzueignen; ſie machten ſich da⸗ durch ſehr unbeliebt, und das gierige Weſen der Beiden war ſchuld, daß Pe— pino als Führer zuletzt abgeſetzt wurde.
„Carmina gehörte dem Giuſeppe, einem gut ausſehenden Burſchen mit ſuchsrothem Haar von merkwürdiger Länge; er war der Stutzer der Bande und galt als reicher Mann; das heißt, er beſaß viertauſend Ducati(der Ducato etwas mehr als ein preußiſcher Thaler). Die Beiden trugen ſtets in kleinen blechernen Büchſen, die ihnen als Schmuckkäſtchen dienten, eine Unzahl von Ringen und goldenen Ketten bei ſich, die bei einer Feſta oder ſonſt einem wichtigen Anlaß zum Vorſchein kamen und angelegt wurden. Carmina war ſehr gutmüthig und pflegte mir von ihren Speiſen, was ſie erübrigen konnte, zuzuſchieben.— Maria war ein ungutes Mädchen; ſelten ſprach ſie mit jemand, und wenn man ſie anredete, ſo mußte man ſich ſtatt
rt mit einem Nicken oder Schütteln des Kopfes begnügen. Man
kann ſich denken, daß dieſe Perſon mir nie etwas gab oder etwas für mich iteres Geſchöpf und
that.— Antonia hieß die Lotusäugige; ſie war ein he
ſtets bereit, alle ihre Kräfte aufzubieten, um meine Lage zu verbeſſern. Sie hielt ſich an den Generoſo di Salerno, der ſeinem hochklingenden Namen alle Ehre machte. Wenn es mit den Lebensmitteln knapp herging, pflegten was ſie von dem vorhergehenden Tag aufgeſpart ncetta gehörte dem Cicco Guangi und war
der Antwo
dieſe Beiden das Wenige, hatten, mit mir zu theilen.— Co eine Perſon von dem Schlage der Maria.
„Alle dieſe Weiber führten Nadeln, Scheeren und Faden in Baumwolle und Seide von verſchiedenen Farben, ebenſo Stücke Tuch mit ſich, ſo daß ſie ſtets in der Lage waren, nöthig gewordene Ausbeſſerungen vorzunehmen.


