Zeitschriftenband 
4 (1867)
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22 Das Kind des Südens.

than? rief Amberg.Herzhaftes Kind! Das ächte Blut einer Südlände⸗ rin!Gleichwohl ſchreiben Sie unverzüglich an mich, fuhr Sichart fort, ohne die Ausrufe des Grafen zu beachten,und wünſchen, daß ich unter der Hand in Bornau auf die beſagten Stücke vigiliren ſoll. Wenn Sie alſo nicht identiſche Noten an alle benachbarten Ortspolizeibehörden gerichtet haben, ſo muß ich doch annehmen, daß Sie Ihren Argwohn vorzugsweiſe auf Bornau concentriren. Ich will Ihnen aber meine Anſicht über die ganze Sache, da Sie mich mit Ihrem Vertrauen beehrt haben, nicht vorenthalten. Aus dem Schreibtiſch kann der Schmuck nach meiner Meinung nicht erſt geſtern Abend fortgekommen ſein wäre es in einer großen Stadt gewe⸗ ſen, wo ſich diebiſches Geſindel unter dem Vorwande, retten zu helfen, die Gelegenheit eines Brandes zu Nutz macht, ſo wollte ich gegen die Möglich⸗ keit, daß jemand mit einem Nachſchlüſſel den Schreibtiſch geöffnet und die Sachen geſtohlen habe, nicht viel einwenden, obgleich es immer unwahrſcheinlich bliebe, daß der Dieb nicht lieber das baare Geld, das obenein, wie Sie ſelbſt ſagen, gleich im vorderen Fache lag, genommen hätte, ſtatt ſich mit dem ge⸗ heimen Behältniß zu bemühen und Dinge, welche ſchwer zu verwerthen ſind, an ſich zu bringen. Bei unſeren Bauersleuten, die Gott ſei Dank noch nicht ſo raffinirt ſind, halte ich es faſt für eine Unmöglichkeit, daß ſie dergleichen ſich aneignen würden allenfalls nähmen ſie Lebensmittel, die umher lie⸗ gen, oder irgend ein unbedeutendes Werkzeug mit, an Schmuckſachen wür⸗ den ſie ſich nicht vergreifen was ſollten ſie damit anfangen? Ich lebe zu lange Jahre mit unſerem Volke und kenne es genau, weil ich es nicht bloß aus der Vogelperſpective betrachte

Aus der Cavalierperſpective, wollen Sie doch wohl ſagen? unter⸗

brach der Graf die lange Predigt, von der er ſehr wenig erbaut war, mit lachendem Munde. Er hatte Zeit gehabt, ſich vollkommen zu ſammeln. Sie thun mir aber Unrecht, ich kenne unſer Volk auch, mit dem unſere Fa⸗ milie viele Jahrhunderte im engſten Verbande gelebt hat. Ich verdächtige weder das Volk im Ganzen, noch eine beſtimmte Perſon. Die Widerſprüche, die Sie in meinen Worten, ſchriftlich und mündlich, gefunden haben, muß ich mir gefallen laſſen, aus Widerſprüchen ſind wir Menſchen zuſammengeſetzt, mit wenigen Ausnahmen! Er verneigte ſich gegen Sichart, als rechne er ihn zu dieſen und fuhr leichter fort:Warum ich mich zuerſt an Sie gewandt habe, wiſſen Sie ſchon. Daß die Sachen ſchon früher, als geſtern Abend aus meinem Fache genommen ſein könnten, daran habe ich noch nicht gedacht vielleicht haben Sie Recht. Dann aber ſtellt ſich alles anders, dann könnte

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