Von Bernd von Guſeck. 23
es nicht jemand ſein, der ſich etwa nur aus Wohlgefallen an den hübſchen Dingen dieſelben angeeignet hätte, ſondern es möchte vielmehr ein anderes Intereſſe dabei gewaltet haben. Sie geben mir zu denken, mein alter Freund!“
„Wiſſen Sie denn genau, daß Sie die Sachen in dem Schreibtiſche aufbewahrt haben?“ fragte Sichart.„Vielleicht finden ſie ſich noch irgend⸗ wo anders, wenn Sie erſt zum ruhigen Suchen kommen.“—„Nein, nein!“ rief Amberg.„Das iſt ganz unmöglich! Aus vielen Gründen! Jetzt möchte ich Ihnen jedoch eine Frage zurückgeben, lieber Herr Sichart. Wenn Sie meinen, daß mir die Sachen ſchon früher entwendet ſind, ſo kann es nur aus einem ganz beſonderen Intereſſe daran geſchehen ſein— ich appellire nun an Ihre Offenheit, die Sie mir ſo oft und ehrlich bewieſen haben: können Sie ſich eine Perſon denken, welche außer mir an den bewußten Dingen Intereſſe nähme?“—„Oh ja, wenn Sie doch eine aufrichtige Antwort wünſchen,“ erwiderte Sichart.„Ihre Frau Gemahlin.“— Der Graf ſah ihn betroffen an, obgleich er ſelbſt vielleicht daran gedacht hatte. Er fühlte, wie ihm das Blut in die vom lebhaften Geſpräch ſchon höher gefärbten Wangen ſtieg, und war unwillig über ſich ſelbſt, daß er noch kindiſch erröthe, aber er konnte das nicht ändern, ſondern nur erklären.—„Sie ſehen, daß mich dieſer Gedanke frappirt!“ ſagte er.„Wie? Meine Frau halten Sie für fähig, daß ſie ohne mein Vorwiſſen meine Fächer durchſucht und ſich der Dinge bemeiſtert, die ihr grade gefallen, wenn es auch nur Spielereien ſind?“—
„Herr Graf, es wäre von meiner Seite eine unerhörte Beleidigung, wenn ich mich erdreiſten wollte, eine ſolche Meinung zu äußern, auch wenn ich ſie wirklich hegte! Sie faſſen meine Aeußerung ganz falſch auf. Ich habe nur geſagt, daß Ihre Frau Gemahlin wohl an dieſen Dingen, welche doch wohl eine gewiſſe Beziehung haben, um der Vergangenheit willen, aus der ſie herrühren, ein Intereſſe haben könnte. Eine andere Hand hat dieſelben vielleicht beſeitigt, Sie werden darüber beſſer urtheilen können, als ich.“— „Sie meinen die Traud!“ rief der Graf.„Ja, ja, das wäre wohl möglich! Aber wie ſind Sie überhaupt auf dieſen Gedanken gekommen?“—„Das will ich Ihnen ſagen,“ erwiderte Sichart.„Sie haben heut immer nur von den Korallen und dem ſilbernen Haarpfeil geſprochen, beides italieniſcher Frauenſchmuck— Sie haben ſogar in einer Viſion unſere Flora damit aus⸗ geſtattet geſehen; doch ſchrieben Sie noch von einem kleinen Medaillon. Es kommt darauf an, was darin enthalten war: leicht könnte es das Hauptſtück


