Zeitschriftenband 
4 (1867)
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Von Bernd von Guſeck. 21

Lieber Sichart, wie ſollte ich dazu kommen, eine beſtimmte Perſon zu be⸗ ſchuldigen?2Ei, Herr Graf, Ihr Wort in Ehren, aber ich ſehe es Ihnen an, daß Sie doch etwas der Art im Sinne haben.Nun, wenn Sie mir denn bis auf den Grund der Seele ſchauen als alter Bekannter, ſo will ich nicht länger hinter dem Berge halten. Lachen Sie mich aus oder ſchelten Sie mich über den unſinnigen Einfall. Ich fand heut früh, als ich den Schreibtiſch, in welchem auch Geld lag, unterſuchen wollte, denſelben unverſchloſſen an dem Gelde fehlte nicht das geringſte lachen Sie ſchon jetzt über mich?Ich bitte um Verzeihung, aber es überraſchte mich, daß Sie Ihre Beſtände ſo genau berechnen können, erwiderte Sichart lächelnd.Nun, die Schmuckſachen aber? Dieſe fehlt en, und Sie mußten gleich an jemand denken, der ſie genommen haben könnte, nicht wahr? Das vornehme Geſicht des Grafen zeigte eine Verlegenheit, die er unter einem erzwungenen Lächeln zu verhehlen ſuchte, als er fortfuhr:Es blitzen in uns zuweilen ganz wunderbare Ideen auf, ohne daß wir wiſſen, wodurch gleichſam Traumerſcheinungen im wachen Zuſtande. Als ich an die ver⸗ lorenen Korallen dachte, ſtand mir auf einmal eine Perſon vor Augen, die ich zwar nicht im entfernteſten mit dem Verſchwinden der Sachen in Verbin⸗ dung brachte, die ich mir aber in einem unerklärlichen Gedankenſpiel mit den Korallenſchnüren und dem Haarpfeil geſchmückt, vorſtellen mußte, alles wie gemacht für ihr ſüdländiſches Geſicht. Nun ſchelten Sie mich aus! Ja, Herr Graf, wenn es ſich ſchickte, hätte ich ſchon ein Recht dazu! Das Mädchen iſt geſtern in Hohenſtein geweſen ich will aber nicht fürchten, daß ſich Ihr Billet auf unſere unbeſcholtene.Oh nicht doch! unter⸗ brach ihn der Graf.Sie wiſſen ja ſelbſt, wie ich über Ihre Fiorina denke und welche Vorliebe meine Frau für das reizende Kind hegt, das ſie unſerer armen Diana zur Geſpielin geben wollte. Können Sie glauben, daß nur entfernt ein Verdacht oh nein, das glauben Sie nicht! Es war nur eine Phantasmagorie, weil es nicht das erſtemal iſt, daß ich mir Ihre Fio⸗ rina mit dieſen italieniſchen Schmuckſachen geziert vorſtellte: jeder Menſch würde ſie damit bewundern, und ich ging oft mit dem Gedanken um, wenn ſie bei unſerer Diana war, ihr alles zu ſchenken hätte ich es doch gethan! Aber, mein verehrter Herr Graf, das ſind ja eitel Widerſprüche! entgegnete Sichart.Ihnen tritt, als Sie die Sachen vermiſſen, ſogleich unſere damit decorirte Flora vor Augen, aber Sie verwahren ſich, daß Sie gegen das Mädchen, das allerdings beim Ausräumen des brennenden Ge⸗ bäudes geholfen hat, einen Verdacht hegen.Wie, das hat ſie ge⸗