Zeitschriftenband 
4 (1867)
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20 Das Kind des Südens.&

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diealten Leutchen in Bornau gewechſelt hatte, ſehr zuvorkommend empfan⸗ gen. Abgeſehen von dem freundſchaftlichen Verhältniß, in welchem Sichart zu dem Vater des Grafen geſtanden hatte, würde es die gute Lebensart nicht anders geſtattet haben, auch wenn die Gräfin nicht Urſache gehabt hätte, dem alten Sichart in mancher Beziehung dankbar zu ſein. Nach der Begrüßung des Gaſtes und einigen freundlichen Worten über ſeine Theilnahme an dem geſtrigen Ereigniß zog ſie ſich jedoch in ihr Zimmer zurück, was ihr leiden⸗ der Zuſtand, welcher durch die ungewöhnliche Abſpannung der Nerven in Folge der Aufregung durch die Feuersbrunſt wieder mehr hervorgetreten war, vollkommen rechtfertigt.

Die beiden Männer blieben allein und Sichart kam gleich zur Sache. Haben Sie in Bezug auf die Schmuckſachen, von denen Sie mir ſchrieben, irgend einen beſtimmten Verdacht?Nach meinem Billet müſſen Sie das glauben, Herr Nachbar, erwiderte Amberg.Es war eine Uebereilung, daß ich Ihnen gleich unter dem Eindrucke des erſten Moments ſchrieb, ich hätte mir alles erſt überlegen ſollen, aber in meinem Verdruſſe nahm ich meine Zuflucht zu Ihnen, da Sie mir ſchon von meinen jungen Jahren an manchen guten Rath gegeben haben. Wenn ich ihn nur immer befolgt hätte! Seien Sie aufrichtig, Herr Graf! ſagte Sichart.Als Sie mir ſchrie⸗ ben, hatten Sie doch wohl irgend einen beſtimmten Verdacht, der ſich Ihnen aufgedrängt hatte.Ich kann das nicht ſagen! erwiderte Amberg, aber ſein unſicherer Ton beſtärkte Sichart nur in ſeiner Meinung.Es war, wie geſagt, Bedürfniß, mich zuerſt an Sie zu wenden. Aufſehen möchte ich nicht verurſachen, aber es wäre mir ſehr lieb, wenn ich wieder zu dieſen Sachen käme, vielleicht können Sie mir rathen, was ich thun ſoll. Zu ver⸗ werthen ſind die Kleinigkeiten ja nicht einmal.

Es ſind doch Korallen dabei, entgegnete Sichart.Der Preis der Korallen, wie mir neulich verſichert wurde, ſoll in den letzten Jahren unge⸗ mein geſtiegen ſein, und eine fünffache Schnur, ſo ſchrieben Sie ja, mag alſo immer einen hübſchen Werth haben. Freilich wiſſen das unſere Bauern nicht, wenn doch einer von ihnen der Verſuchung, ſich fremdes Gut anzueig⸗ nen, nicht widerſtanden haben ſollte. Würden die Dinger gar in der Stadt zum Verkauf angeboten, ſo müßte ja gleich die Frage nach dem rechtmäßigen Beſitz entſtehen. So dumm iſt unſer Landvolk auch nicht. Ich glaube über⸗ haupt nicht, daß Ihre Schmuckſachen auf dieſe Weiſe entwendet worden ſind. Wenn Sie ſich aber nicht aufrichtig gegen mich ausſprechen, bin ich ganz außer Stande, eine Meinung, geſchweige denn einen Rath abzugeben.