Zeitschriftenband 
4 (1867)
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18 Das Kind des Südens. *

vergraben! Die Sprecherin war in Aufregung gerathen und dadurch wun⸗ derbar verjüngt anzuſehen: ihre Wangen hatten wieder einen lichteren Schein gewonnen, ihre Augen eine dunklere Farbe.

Du verkennſt mich, Agathe! verſetzte der Graf, etwas betroffen von ihrer Strafpredigt in Gegenwart der Dienerin, obgleich ihm das nichts Sel⸗ tenes ſein konnte, denn ſeine Gemahlin betrachtete ihre Zofe als einen Theil ihres eigenen Selbſt.In Wahrheit, du verkennſt mich. Sage ich denn, daß ich unſern Neubau ganz aufgeben oder doch auf längere Zeit verſchieben will? Nur übereilen mag ich ihn nicht. Sobald ſich die Verhältniſſe einmal geklärt haben, ſo daß man weiß, daß man dauernd auf hinlängliche Arbeits⸗ kräfte rechnen kann, gedenke ich gleich anzufangen.Welche Klärung der Verhältniſſe erwarteſt du denn noch? fragte ſie ironiſch.Ob der Frie⸗ den wirklich abgeſchloſſen wird oder ſich doch noch ein europäiſcher Krieg ent⸗ zündet, antwortete er, von ihrem Tone noch unbehaglichen Was denkſt du über einen europäiſchen Krieg, Traud? wam Gräfin an ihre Zofe. Der Graf wurde dunkelroth und runzelte die Stirn. Mit unbewegtem Geſicht, wie ſie der ganzen Unterredung beigewohnt hatte, neigte die alte Dienerin nur ein wenig den Kopf, doch hatte ſie einen abmah⸗ nenden Blick für ihre Herrin, daß dieſe die Sache nicht weiter treiben ſollte, denn es gab einen Punkt, über den der Graf es nicht hinaus kommen ließ.

Da kommt Tom zurück! ſagte die Gräfin, welche ſeitwärts nach dem hatte. Der Graf ging ſchnell nach der Thüre.Erwarteſt du eine wichtige Antwort, daß du ſo eilig biſt? fragte ſie.Die alten Leut⸗ chen nehmen ſo viel Antheil an uns erwiderte Amberg.Sehr viel, das weiß ich! verſetzte ſie mit einem beſonderen Ausdruck.Der Buſen⸗ freund und die Freundin deines Vaters! Ihre Beileidsbezeugungen ſind wohlthuend Sie brach ab, als Gertrud jetzt ihre Augenbrauen zuſam⸗ menzog. Der Graf zuckte die Achſeln und verließ das Zimmer.

Allerdings erwartete er eine Antwort, die für ihn wichtig war, wenn ſie auch noch keine Gewißheit geben konnte. Die vermißten Gegenſtände, von denen er zu ſeiner Frau gar nicht geſprochen hatte, waren natürlich in Bornau wohl noch nicht gefunden worden, aber er wollte doch hören, wie der alte Sichart ſeine Mittheilungen aufgenommen habe. Den Schreibtiſch, ein Meiſterſtück moderner Schnitzkunſt, in welchem er jene für ihn ſo werth⸗ vollen Sachen aufbewahrt, hatte er bei ſeiner geſtrigen Ankunft ſchon aus dem brennenden Flügel herausgeſchafft gefunden und dafür Sorge getragen, ihn ſogleich im Mittelbau des Schloſſes, dem keine Gefahr mehr zu drohen