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Von⸗ Bernd von Guſeck. 8 17
langen Widerſtand geleiſtet, daß die Leute, welche der Inſpektor mit Umſicht gebraucht, Zeit gewonnen haben, alle Zimmer gründlich auszuräumen. Ich habe ſchon vorläufig alles im Mittelbau unterbringen und einigermaßen ord⸗ nen laſſen und glaube nicht, daß du irgend ein Stück, welches dir beſonders werth iſt, vermiſſen wirſt.“—„Auch du nicht?“ fragte die Gräfin, ihr Auge feſt auf ihn richtend.—„Ich— denke, nein! Wenn erſt genau alles unterſucht wird—.“—„Wohin haſt du den Tom geſchickt? Ich ſah ihn vom Hofe reiten.“— Ihrem Scharfblick entging nichts!—„Nach Bornau, liebe Agathe,“ erwiderte Amberg.„Ich hielt es für meine Pflicht, dem alten Herrn und Freunde unſeres Hauſes, der uns ſo ſchnell Hülfe geſchickt hat, meinen Dank zu ſagen und ihm melden zu laſſen, daß alle Gefahr vor⸗ über und nichts von Werth verloren iſt, als freilich der eingeſtürzte Schloß⸗ flügel. Den können wir wieder aufbauen laſſen, und wenn du meiner An⸗ ſicht biſt ſcht eht es wieder im normanniſchen Geſchmack des alten Stamm⸗ ſitzes und Ahnen. Die neueren Architekten verſtehen ſich grade auf dieſen Bauſtil vörkrefflich, meiſtérhaft!“—
Er hatte lebhaft und raſch geſprochen, vielleicht weil es ihn befangen machte, daß ſeine Frau ihn länger ſprechen ließ, als ſonſt ihre Gewohnheit war.„Deiner Ahnen, wollteſt du ſagen!“ entgegnete ſie jetzt.„Unſere Ahnen, war nicht richtig ausgedrückt. So viel mir bekannt iſt, haben ſich unſere Häuſer durch uns beide zum erſtenmale verbunden, wir bg alſo keine Ahnen gemein. Von einem normanniſchen Bauſtil habe ich übrigens auf Hohenſtein ebenſo wenig bemerkt, wie an den Ruinen des Stammſchloſſes meiner Familien, das ſich in den Wellen der Nahe ſpiegelt. Laſſen wir das. Wann gedenkſt dn den Neubau anfangen zu laſſen?“—„Liebe Agathe— ſobald es möglich ſein wird,“ antwortete er.„In dieſen unſicheren Zeiten, wo der Krieg noch im vollen Gange iſt, wo man nicht wiſſen kann, welches Ende er trotz aller Siege durch die Einmiſchung Frankreichs nehmen kann—.“—„Du ſprichſt die Sprache der Börſenmänner und Fabrikan⸗ ten!“ erwiderte ſie.„Dadurch wird eben die Zeit unſicher und jammervoll, daß alles gleich den Kopf verliert, daß jeder angſtvoll aufgibt, wodurch er ſich und anderen helfen könnte! Du willſt nicht einmal dein halb verbrann⸗ tes Haus wieder aufbauen, der du es kannſt, ohne in Verlegenheit zu ge⸗ rathen! Viele brodloſe Menſchen fänden Arbeit dabei— es ſcheint aber, du huldigſt auch der Anſicht, daß es trotz unſerer Siege beſſeniſt, ein paar Cent⸗
ner eiſerne Töpfe zu kaufen und den Mammon für alle erdenklichen Fälle zu Hausblätter. 1867. IV. Bd.„


