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Von Bernd von Guſeck. 11
den Wunſch der Gräfin zu erfüllen. Nun, Riedel, kommen Sie bald zum Frühſtück, Sie müſſen uns erzählen, wie es bei dem Feuer zugegangen iſt.“
Sichart fand im Wohnzimmer ſeine Frau, welche das Mädchen, das von Riedel verdächtigt worden war, eben entließ, nachdem ſie den Kaffee bereitet hatte. In der Thüre mochte er ſie unwillkürlich mit einem prüfen⸗ den Blicke betrachtet haben, denn ihr Auge, das dem ſeinigen begegnete, nahm einen verwunderten und fragenden Ausdruck an. Doch entfernte ſie ſich ſogleich.—„Sind Ambergs angekommen?“ fragte Sichart ſeine Frau. —„So lange Flora dort geweſen iſt, nicht,“ erwiderte ſie.„Doch wurden ſie jeden Augenblick erwartet. Flora hat in dem brennenden Flügel retten helfen.“—„Ich glaub's!“ ſagte Sichart.„Du haſt ſie doch deßwegen nicht geſcholten? Dein Ton klingt wie Anklage.“—„Wie leicht hätte ſie ver— unglücken können!“ erwiderte ſie.„Das war ihre Sache nicht— wenn Menſchenleben in Gefahr geweſen wären, hätte ich kein Wort geſagt. Aber bloßes Hausgeräth— wenn auch Werthſachen! Was hat Riedel für Nach⸗ richten mitgebracht? Flora hat ihn dort noch in voller Thätigkeit verlaſſen.“
Sichart erzählte, wie er Riedel gefunden hatte, und zeigte ihr die Schleife, die in ſeiner Stube gelegen, er vermied aber jede Anſpielung auf den Gedanken, der ſich ihm freilich im erſten Moment als ziemlich naheliegend, wenn auch im Widerſpruch mit der ihm bekannten Ehrbarkeit des Alten, aufgedrängt hatte. Im Umgange des Ehepaars waren überhaupt niemals im ganzen Zuſammenleben leichtfertige Reden vorherrſchend geweſen, wie man ſie oft genug noch bei älteren Leuten hört, widerlich gerade bei ſolchen aus vielen Gründen. Frau Sichart war verwundert über den Fund, ſie hielt die Erklärung, welche Riedel ihm gegeben hatte, nicht für unwahrſchein⸗ lich.—„In einem Gewühl und Gedränge, wie es drüben geweſen ſein mag,“ ſagte ſie,„iſt es immer möglich, daß ſich die Schleife, die jemand gerade verloren, an ſeinen Rock gehängt hat und von ihm, ohne daß er es gewußt, mit nach Hauſe gebracht worden iſt. Einem Bauermädchen kann ſie aber nicht gehört haben, die tragen dergleichen nicht. Vielleicht iſt ſie gar von unſerer Flora und auf dieſe Weiſe wieder an ihren Ort gekommen. Ich werde ſie fragen.“— Sichart konnte es nun doch nicht über ſich gewinnen, ſeiner Frau nicht von dem offen gebliebenen Hofthor und dem vermißten Schlüſſel zu erzählen— etwas zögernd fügte er Riedel's Verdacht hinzu.— „Der Alte iſt nicht geſcheidt!“ entgegnete ſie und wurde unwillig, als ſie Riedel's Aeußerungen über das Mädchen hörte.„Flora iſt keine Zigeune⸗ rin!“ rief ſie.„Ich habe ihm das dumme Volksgerede, das er nachſpricht
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