Zeitschriftenband 
4 (1867)
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8 Das Kind des Südens.

mehr entſchließen. Bei der Helle, welche das Feuer noch immer über die Gegend verbreitete, hatte er wohl bemerkt, daß die Herrſchaft mit Extrapoſt kam und daß der Reiſewagen ganz geſchloſſen war, als kümmere ſich niemand darin um den Vorfall, der ſie doch ſo nahe anging. Das war aber ſo ihre Manier, vornehme Leute müſſen thun, als könne ſie gar nichts betreffen oder aus der Ruhe bringen. Der alte Riedel hatte einmal beide, den Grafen und die Gräfin, in einer anderen Lage geſehen, die ihnen doch wohl mehr zu Herzen gehen mußte, als der heutige Verluſt, der ſich mit Geld wieder er⸗ ſetzen ließ, das war geweſen, als ſie ihre Tochter verloren hatten auf eine ſchauerliche Weiſe und damals hatte ihnen keine Wimper gezuckt, es war geweſen, als ſeien ihre Geſichter von Stein, wie die marmornen Bilder, die in ihrem Garten ſtanden. Vielleicht lag ihnen Geld und Gut aber mehr am Herzen, als die Tochter, und ſo war's immer möglich, daß Riedel ſie heut anders geſehen hätte, als bei dem traurigen Ereigniß vor fünf Jahren, wenn er ein Zeuge ihrer Ankunft geweſen wäre. Der Berg war ihm jedoch zu ſteil, um ihn aus bloßer Neugier nochmals zu erſteigen was hätten auch ſeine Bornauer, die er an die Befehle des gräflichen Beamten gewieſen hatte, von ihm denken ſollen, wenn ſie ihn auf einmal wieder geſehen hätten? Er ſetzte alſo im raſchen Zuſchreiten ſeinen Weg fort und legte ſich zu Hauſe, wo er alles im tiefen Schlafe fand, ruhig zu Bett.

2.

Am frühen Morgen, als kaum der Tag angebrochen war, wurde er von ſeinem Heren geweckt. Es fiel dieſem etwas ſchwer, ihn zu ermuntern; als es endlich gelang, fuhr Riedel ſchreckhaft empor und ſtarrte Herrn Sichart, der vor ſeinem Bette ſtand, mit großen Augen, wie einen Fremden an. Nun, Riedel, Sie ſchlafen ja wie ein Dachs und haben das Hofthor offen gelaſſen, ſagte Sichart lächelnd.Der eine Hohenſteiner Thurm iſt einge⸗ ſtürzt, wie man ſehen kann, auch dampft es noch, als könne das Feuer jeden Augenblick wieder ausbrechen. Wie ſteht es denn? Riedel hatte aber nur auf den Vorwurf gehört, der ihm gemacht worden war; er ſuchte auf dem Stuhl vor ſeinem Bette nach dem Schlüſſel des Hofthors, den er doch, nachdem er dasſelbe verſchloſſen, mitgenommen zu haben glaubte daß er gar das Hofthor offen gelaſſen haben ſollte, war ganz unmöglich, das wäre zum erſtenmale in ſeinem Leben geweſenWollen Sie einmal in meinem Rocke nachſehen, Herr Sichart? ſagte er, indem er Ahſtalt zum Aufſtehen