Zeitschriftenband 
4 (1867)
Einzelbild herunterladen

Von Bernd von Guſeck. 7

Frau.Ach, die Kammerjungfer der Gräfin, die noch immer eine große Vorliebe für das Mädchen hat, iſt ihrer Herrſchaft vorausgekommen und hat Flora heut früh bitten laſſen, ihr bei der Einrichtung ein wenig zu helfen dazu habe ich ihr Nachmittags Erlaubniß gegeben.Sie wird ſich am Ende doch noch einfangen laſſen und dir mit Undank lohnen, äußerte Sichart.Das habe ich nie von ihr zu fürchten, erwiderte ſie.

Spät in der Nacht kam der Verwalter Riedel für ſeine Perſon zurück. Die Spritzen der Nachbardörfer, welche nach einander in Hohenſtein ange⸗ kommen waren, hatten mit großer Anſtrengung das Feuer ſo weit bewältigt, daß es wenigſtens auf den Dachſtuhl des öſtlichen Flügels beſchränkt blieb. Dieſer war freilich ſo gut wie vernichtet, denn wenn auch die überaus dicken Mauern den Flammen widerſtanden hatten, ſo war doch das Sparrwerk mit ſeinen gewaltigen Balken endlich zuſammengeſtürzt und hatte die beiden Stockwerke des Flügels bis auf den Grund durchgeſchlagen. Was darin Werthvolles geweſen, war vielleicht zum größten Theile gerettet worden, doch mochte immerhin noch manches ſchöne Stück unter den brennenden Holz⸗ ſtücken begraben ſein, aus welchen, wie aus einem feuerſpeienden Krater, nach dem krachenden Einſturze, eine Lohe von Funken und Trümmern him⸗ melhoch emporgeflogen war. Nachdem dieſe wieder geſunken, hatten die Löſchenden alle Waſſerſtrahlen dorthin gerichtet, um das Feuer an jene Stätte zu bannen, und das ſchien auch gelungen zu ſein, aber erſt nach drei, vier Tagen konnte man daran denken, unter der Aſche und dem Schutt Nach⸗ grabungen anzuſtellen. Im allgemeinen Eifer, als die Schöpfeimer in der doppelten Menſchenkette, welche aufgeſtellt war, raſch auf und nieder gingen, hatte der alte Riedel ſich endlich für überflüſſig gehalten, da der gräfliche Inſpektor die ganze Leitung der Löſchanſtalten in die Hand genommen hatte. Riedel war auf der Spritze hergefahren und mußte freilich jetzt, weil er die Pferde in Vorausſicht längerer Arbeit nach Hauſe geſchickt hatte, die Stunde Weges nach Bornau zu Fuß zurücklegen, doch hatte der Regen, der ihn völ⸗ lig durchnäßt hatte, längſt aufgehört und die Fußwanderung that dem rüſti⸗ gen Alten ganz wohl. Grade, als er die breite Allee, welche im Bogen auf den Schloßberg führte, hinabgegangen war, kam ihm ein Viergeſpann im vollen Trabe entgegen. Das war die Herrſchaft, deren Ankunft man oben ſchon ſtundenlang erwartet hatte. Es that dem Bornauer Verwalter jetzt leid, daß er nicht eine kleine Weile länger geblieben war, er hätte wohl ſehen mögen, wie der Herr Graf ſich beim Anblicke ſeines halb eingeſtürzten Schloſſes benahm aber zum Umkehren konnte ſich der Alte deßhalb nicht