Zeitschriftenband 
4 (1867)
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Von Bernd von Guſeck. 5

haben und, wenn das Gewitter ſie unterwegs überraſcht hat, ſich ſchon zu helfen wiſſen.

Ein flammender Blitz, der die ganze Gegend mit Tageshelle füllte, unterbrach ſeine Rede; faſt unmittelbar darauf verkündigte ein markerſchüt⸗ ternder Donnerſchlag mit jenem eigenthümlich grellen Schmettern die Wir⸗ kung des niedergegangenen Feuerſtrahls. Frau Sichart hatte erſchrocken den Arm ihres Mannes gefaßt, beide lauſchten einen Moment, ob ſich draußen im Hauſe oder Hofe etwas rege, Grund zur Beſorgniß zu geben.Sei ruhig, Roſalie! ſagte Sichart dann, indem er nach der Thüre ging.Bei uns iſt nichts geſchehen! Sie folgte ihm, draußen im Hausflur brannte Licht. Der Verwalter und einige Leute vom Geſinde eilten eben herbei unzweifelhaft hatte der Blitz eingeſchlagen und zwar in der Nähe, wenn auch nicht auf dem Gutshofe oder in dem etwas davon entfernt liegenden Dorfe. Ein Knecht lief die Treppen zum Boden hinauf, um von dort auszuſchauen. Da geht's auf! rief er herab, als er kaum an das Bodenfenſter getre⸗ ten war.In Hohenſtein, auf dem Schloſſe! Die Leute im Flur ſtürz⸗ ten der Bodentreppe zu, um ſich ſelbſt zu überzeugen.Raſch die Spritze, Riedel! befahl der Gutsherr dem Verwalter.Nehmen Sie die Wagen⸗ pferde vor und Leute genug mit; ſchicken Sie gleich nach dem Dorfe! Der Verwalter rief den Kutſcher, der mit auf den Boden gelaufen war, herab, ſchickte eine Magd zum Schulzen, um Hülfe für die Nachbarn in Hohenſtein aufzubieten, und konnte nach kurzer Zeit ſchon mit der Spritze vom Hofe fahren. Ein mächtiger Gewitterregen war unterdeſſen nach dem Schlage, wie es oft zu geſchehen pflegt, losgebrochen.

Frau Sichart ſtand wieder am Fenſter, von welchem das Schloß Hohen⸗ ſtein, das kaum eine Stunde entfernt lag, bei Tage in allen ſeinen Umriſſen auf der Höhe zu ſehen, heut aber durch die vorzeitig eingebrochene Dämme⸗ rung längſt dem Blicke entzogen war. Jetzt, wo draußen ſchon Dunkelheit herrſchte, gab nur ein heller Feuerſchein aus jener Richtung her zu erkennen, daß es wirklich in Hohenſtein brenne.Grade heut! ſagte Sichart, als er nach der Abfahrt der Spritze wieder zu ſeiner Frau in das nun hell erleuch⸗ tete Zimmer getreten war.Das iſt ein ſchlechter Empfang! Ob ſie ſchon angekommen ſein mögen?

Erſt nach einer Weile, als habe ſie der von ihrem Manne ausgeſpro⸗ chene Gedanke beſchäftigt, antwortete Frau Roſalie:Wohl kaum! Es iſt doch eine ſtarke Tagereiſe und die Gräfin immer leidend.Darüber, meine Roſel, ſind wir halt nicht einerlei Meinung, verſetzte er.Du