478 Zur Leckure.
den folgenden Bänden entgegen, in denen der Kreis erſt ſeinen Abſchluß erhalten wird, in denen wir dann auch die Briefe Wackenroders und der Schlegel empfangen werden, welche in mehr geſchloſſener Reihe vorliegen.
Die Grundſätze, nach denen Holtei die Herausgabe dieſer Sammlung geleitet— von dem einen haben wir ſchon geredet— ſind ſicherlich völlig anzuerkennen: er ſchied die Briefe aus, welche nicht an Tieck ſelbſt ge⸗ richtet waren, er ließ, dazu angewieſen, die Familienbriefe fort und ſtrich endlich das, was Anſtoß, oder beſſer geſagt Skandal erregen konnte. Mit dem erſten und dritten Punkt ſind auch wir vollſtändig einverſtanden. Den zweiten, mag er im Sinne der Erben gerechtfertigt ſein, beklagen wir, wie wir denn auch mit ernſtlichem Bedauern eigene Briefe Tieck's vermiſſen. Erwarten konnten wir dieſe ſchon dem Titel nach nicht, aber wir vermiſſen ſie überall, da durch dieſelben erſt manche Zuſchriften und Antworten in dieſen Bänden nicht nur ihre Erklärung erhalten haben, ſondern auch zu ihrem rechten Werth gelangt ſein würden. Ein Vorwurf gegen den Herausgeber liegt hier ſicher nicht,— was man nicht hat, kann man nicht geben. Und ebenſowenig iſt es ihm zuzurechnen, daß wir nur von ſehr wenig Schreibern eine längere Reihe Briefe erhalten,— Tieck hat, wie Holtei zugeſteht, keine Ordnung gehalten. Beiläufig fragen wir: wer in Tieck's Stellung und von Tieck's Charakter kann und mag das in dem hier zutreffenden Sinne? Das Aufbewahren einer großen Correſpondenz und der Gedanke, durch dieſelbe eine Art Lebens⸗ und Thä⸗ tigkeitsgeſchichte zu ermöglichen, gehören nicht der fortſchreitenden Jugend, ſondern erſt den Jahren an, wo man mit gegründetem Selbſtbewußtſein auf ſein Streben und ſeine Thätigkeit zurückblicken und eine Geſchichte derſelben, möchten wir ſagen, der Welt als etwas Werthvolles anbieten darf.
Vor allen Dingen aber haben wir dem Herausgeber zu danken, daß er Briefe nicht deßwegen fortließ, weil ſie durchaus vereinzelt bleiben mußten und ihre Schreiber zum Theil ſogar unbekannte Größen ſind. Grade durch dieſe Briefe von dieſem und jenem erhält die Sammlung ihr eigenthümliches Gepräge und— ſagen wir es unumwunden: einen ganz beſonderen Werth. Sie bilden trotzdem freilich ein— und zwar ſehr intereſſantes— Ganzes und zeigen uns anſchaulicher als irgend eine andere ähnliche Briefſammlung,„in welchem Lichte Ludwig Tieck als Dichter, Gelehrter, Kritiker, Vorleſer, Dramaturg, als Menſch, Freund Berather und Wohlthäter“ den Mitlebenden erſchien. Wo man die Bände


