Zur Lecture.
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ſtarre Goethe ihm mehr und mehr einräumte; er war die letzte wirkliche Größe aus jener größten und reichſten Zeit unſerer Litteratur, und wer damals neben den Sonnen Goethe und Schiller noch irgend ein eigenes Licht zu verbreiten vermocht, mußte nach ihrem Untergange wohl als Stern erſter Größe leuchten, zumal in dieſer Zeit der unſinnigſten Unnatur, der armſeligſten Abflachung und Salbaderei, welche von den Befreiungskriegen bis nach der Julirevolution es darauf anzulegen ſchienen, das harte Pla⸗ ten'ſche Wort über unſere Poeſie wahr zu machen:„Ihr Deutſchen ſeid ein Kinderſpott!“.
Ueber dieſe Umgebung, in dieſem Wirrwarr ragt Tieck allerdings wie ein Rieſe hervor und es läßt ſich leicht begreifen, daß die Einhei⸗ miſchen ihn als Haupt unſerer Litteratur gelten ließen und die Fremden in ihm den Repräſentanten derſelben begrüßten. Es kam ſeine Thätig⸗ keit als Dramaturg dazu— das Theater nahm für das Publikum da⸗ mals noch eine ganz andere, wichtigere Stellung ein als heutzutage; es ſchloß ſich ſein Ruhm als Vorleſer daran, der von keinem Anderen je⸗ mals erreicht wurde, und endlich trug auch zu der Ausbreitung ſeines Anſehens und der ihm gewidmeten Verehrung der Aufenthalt in Dresden bei, welches damals für Nord und Süd, für Nahe und Ferne noch viel mehr ein gern gewähltes Reiſeziel bildete als jetzt, und eine Menge alter Freunde, neuer Bekannter, Neugieriger und wirklich Verehrender in ſein Haus und ſeinen Kreis gelangen ließ, die für den Vorleſer, den liebens⸗ würdigen Wirth und geiſtvollen Mann, und natürlich auch für ſeine alten und neuen Schriften in ihrer Heimat Propaganda machten.
Alle dieſe Punkte darf man, ſo kleinlich ſie zum Theil erſcheinen mögen, nicht überſehen, wenn man von Tieck und ſeiner Bedeutung in unſerer Litteratur reden will. Seine Schriften ſind die hervorragendſten unter allen, welche der romantiſchen Schule entſtammen, und kennzeichnen dieſelbe faſt in all' ihren Richtungen, in ihren Vorzügen ſo gut, wie in ihren Verirrungen und Ausſchweifungen, wenn letztere bei Tieck auch durch den Geiſt und Geſchmack, durch die wahre Poeſie, welche ihn über alle übrigen erhoben, ſelten ein erträgliches Maß überſchreiten und nie zu der reinen Unnatur und Fratze werden, denen wir in den Werken der Meiſten ſeiner Strebensgenoſſen nur zu häufig begegnen. Ja, wir können auch ſonſt an Tieck's Schriften eine Art Curſus unſerer Litteraturgeſchichte durchmachen— wir finden in ſeinen frühſten Werken noch den Einfluß
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