Jahrgang 
4 (1864)
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Von Wilhelm Müller. 473

Handelsſchiffe, durch die Zerſtörung ſeiner Flotte in dem Hafen von Cadix, gegen Eliſabeth aufgebracht. Aber die unüberwindliche Armada, welche für all dieſe Beleidigungen Rache nehmen ſollte, ging durch die Tapfer⸗ keit der engliſchen Seemänner Howard und Franz Drake und durch See⸗ ſtürme großentheils im Kanal zu Grund. Eliſabeths Regierung ſtand feſter als je. Aus einem Staate zweiten Rangs machte ſie ihr Land den erſten Staaten Europa's gleich. Ihre letzten Jahre waren nicht ungetrübt. Ihr Liebling, Graf Eſſex, der Stiefſohn ihres verſtorbenen Leiceſter, wegen ſchlechter Führung ſeiner iriſchen Statthalterſchaft in kurzer Haft gehalten, erhob ſich gegen ſie in jugendlichem Trotz, nannte ſie ein altes Weib, deren Geiſt ſo krumm ſei wie ihr Rückgrat, und pflanzte die Fahne des Aufruhrs auf. Er wurde gefangen und nebſt vier Mitſchuldigen hinge⸗ richtet(1601). Bald bereute ſie die Beſtätigung des Todesurtheils und wurde des Lebens überdrüſſig. Im März des Jahres 1603 erkrankte ſie, verſchmähte jede Arznei, brachte Tage und Nächte auf dem mit Kiſſen be⸗ legten Fußboden zu und mußte endlich mit Gewalt zu Bett gebracht wer⸗ den. Ihre Miniſter ſtanden vor ihrem Lager, der Großadmiral Howard, jetzt Graf Nottingham, wagte es, ihr von der Thronfolge zu ſprechen. Da fuhr ſie auf und rief:Ich will keinen Lump zu meinem Nachfolger; wer dürfte mir folgen als ein König? Rohert Cecil bat ſie in Betreff desLumpen um eine deutlichere Antwort. Sie erwiderte:Mein Nach⸗ folger muß ein König ſein, und wer könnte das ſein als unſer Vetter von Schottland? Aber laßt mich in Ruhe! Am folgenden Tag, den. 24. März 1603 war diejungfräuliche Königin von England todt Sie ſtand im ſiebzigſten Lebensjahre. Maria Stuarts einziger Sohn, der König Jakob von Schottland beſtieg nun den Thron von England und Irland und vereinigte die drei Reiche zu einem Ganzen.