Jahrgang 
4 (1864)
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472 Maria Stuart und Eliſabeth.

Abteikirche zu Peterborough mit königlichem Pomp beigeſetzt. Jetzt erſt wurden Maria's Diener aus ihrer engen Haft in Fotheringhay entlaſſen. Man hatte ſich bis dahin Zeit genommen, die öffentliche Meinung irre zu führen. Der Leichnam Maria Stuarts blieb 25 Jahre lang zu Peter⸗ borough und wurde am 11. Oktober 1612 auf Jakobs Befehl in die Weſtminſter Abtei gebracht. 8

Als den Tag nach der Hinrichtung die Nachricht nach London kam, wurde 24 Stunden lang mit allen Glocken geläutet und Nachts Freuden⸗ feuer vor den Häuſern angezündet. Denn man hatte es den Leuten oft genug vorgeſagt, daß Maria das Reich an die Spanier zu bringen ſuche. Eliſabeth, die ſich bisher um den mit dem Siegel verſehenen Befehl nichts bekümmert hatte, that auf einmal ganz überraſcht und beſtürzt, als ſie zufällig im Geſpräch mit einer Hofdame das Ende ihrer Nebenbuhlerin erfuhr. Sie legte ſammt ihrem Hof Trauerkleider an und erklärte öffent⸗ lich, daß dies gegen ihr Wiſſen und Willen geſchehen ſei. Sie zog ſich weinend in die Einſamkeit zurück, ließ keinen Miniſter vor ſich, entſetzte ſie ihres Amtes, nahm aber die unentbehrlichen Mitwiſſer leicht wieder zu Gnaden an. Nur Daviſon mußte büßen, damit die ungläubige Welt

mehr Glauben ſchenke und ſeine Ausſage kein Gehör finde. Unter dem

Vorgeben, daß er den Befehl eigenmächtig den Miniſtern gebracht hätte, wurde er durch eine Geldſtrafe von 10000 Pfund Sterling an den Bettel⸗ ſtab gebracht und mußte im Gefängniß bleiben, ſo lange Eliſabeth lebte. Dem König von Schottland ſchrieb ſie einen Troſtbrief und verſicherte ihn, daß ſie nicht ſchuld an dem Tode ſeiner Mutter ſei. So entrüſtet er anfangs war, ſo ließ er ſich doch durch die Ausſicht auf den engliſchen Thron begütigen. Auch Maria's Schwager, König Heinrich III. von Frank⸗ reich, nahm ſeine Drohungen bald wieder zurück, und Eliſabeth betheuerte ſeinem Geſandten Aubeſpine,ſie habe die Hinrichtung nie vollziehen wol⸗ len außer in dem Fall eines Aufruhrs oder eines feindlichen Einfalls; auch werde ſie dieſen Streich ihren Miniſtern nie vergeſſen; ſie ſeien in ihrem Dienſte ergraut, haben es auch gut gemeint, ſonſt würde es ihnen den Kopf koſten. Mit ſolchen Worten und Handlungen ſuchte ſie ſich und andere zu beſchwichtigen. Sie konnte damit nur ſeic blenden, welche durchaus blind ſein wollten.

Nur einer war unverſöhnlich, Philipp von gpunter. Er war frei⸗ lich noch durch ganz andere Dinge, durch die Unterſtützung ſeiner aufrüh⸗ reriſchen Unterthanen in den Niederlanden, durch die Wegnahme ſeiner