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der Rat
Von Wilhelm Müller. 471
ſprach der Graf von Kent,„Ihr thätet beſſer, ſolche papiſtiſche Betrüge⸗ reien wegzulaſſen und Chriſtus im Herzen zu tragen.“ Darauf erwiderte ſie:„Ich kann das Sinnbild ſeiner Leiden nicht in der Hand halten, ohne ihn zugleich im Herzen zu tragen.“ Weinend fingen ihre Frauen an, ſie zu entkleiden. Die Henker, aus Furcht, die ihnen zukommenden Kleider zu verlieren, wollten auch theil⸗ nehmen. Maria machte Vorſtellungen, fügte ſich aber ſogleich und be⸗ merkte lächelnd gegen die Grafen, daß ſie nicht gewohnt ſei, ſich durch ſolche Kammerdiener und vor einer ſo zahlreichen Geſellſchaft entkleiden zu laſſen. Als ihre Leute ihren bejammernswerthen Zuſtand ſahen, wein⸗ ten ſie laut; aber Maria legte den Finger auf den Mund, befahl ihnen zu ſchweigen, ſegnete ſie und bat um ihr Gebet. Dann ſetzte ſie ſich nieder, und Kennedy verband ihr die Augen mit einem goldgeſäumten Tuche. Die Henker ergriffen ſie bei den Armen und führten ſie zum Block. Hier kniete die Königin nieder und ſprach mehrmals mit feſter Stimme: „In deine Hände, o Herr, befehle ich meinen Geiſt!“ Laut ſchluchzten und jammerten ihre Diener. Das Haupt ruhte auf dem Block. Der Henker holte aus zum Streich. Sein Auge, ſeine Hand war verwirrt. Das Beil fuhr tief in den unteren Theil des Schädels ein. Maria blieb regungslos. Erſt auf den zweiten Streich ward ihr Haupt vom Rumpfe getrennt. Als der Henker es emporhielt, waren die Geſichtsmuskeln ſo krampfhaft verzerrt, daß man die Züge nicht erkannte. Er rief, wie dies üblich war:„Gott erhalte die Königin Eliſabeth!“—„Mögen alle ihre Feinde ſo ſterben!“ fügte der zudringliche Dechant hinzu.—„Mögen alle
Feinde des Evangeliums ſo ſterben!“ rief noch lauter der Graf von Kent.
Sie ſtarb in ihrem 45. Lebensjahre, im 19. ihrer Gefangenſchaft.
Ihre Kleider und ihren Schmuck, welche dem Gebrauch gemäß dem Scharfrichter anheimfielen, wurden dieſem gegen eine Geldentſchädigung Die Blutflecken an ihren Kleidern wurden ſogleich abge⸗
abgenommen. verbrannt, damit keine Gelegen⸗
waſchen, die mit Blut beſprengten Bretter heit zu Aberglauben und Reliquienverehrung gegeben werde. Ihr Leichnam wurde noch am nämlichen Tag im Beiſein Paulets und des Sheriffs durch einen Arzt aus Stamford und den Dorfchirurg von Fotheringhay ein⸗ balſamirt und in Blei gewickelt. So blieb er ſechs Monate liegen. Maria hatte in ihrem letzten Brief an Eliſabeth dieſe gebeten, ihren Leichnam nach Frankreich führen und neben dem ihrer Mutter beiſetzen zu laſſen. Dieſe Bitte wurde nicht erfüllt, ſondern er wurde am erſten Auguſt in der


