Jahrgang 
4 (1864)
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470 Maria Stuart und Eliſabeth.

Stoff war zurückgeſchlagen und hing bis auf den Boden. Ihr Mantel war von ſchwarzem gedrucktem Atlas, mit ſchwarzem Taffet beſetzt und mit Zobelpelz verbrämt, mit einer langen Schleppe und Aermeln, die bis auf den Boden hingen. Die Knöpfe waren eichelförmig, von ſchwarzem Agat und mit Perlen eingefaßt, der Halskragen à l'italienne. Ihr Kleid war von ſchwarzem figurirtem Atlas; darunter hatte ſie ein rückwärts offenes Mieder von karmeſinrothem Atlas mit einem ſammtnen Saum von derſelben Farbe. Um den Hals trug ſie eine Kette von Ambrakugeln, an der ein goldenes Kreuz befeſtigt war; am Gürtel hing ein Roſenkranz. Mit feſtem Schritt und heiterem Antlitz trat ſie in die große Halle, in deren Mitte das Schaffot errichtet war, mit ſchwarzem Tuch bedeckt und von einem niedrigen Geländer umgeben. Gegen 200 Perſonen um⸗ ſtanden das Blutgerüſte. Als ſie dasſelbe beſtieg, reichte ihr Paulet die Hand zur Unterſtützung.Ich danke Euch, Sir, ſprach Maria,es iſt die letzte Mühe, die ich Euch verurſache, und der beſte Dienſt, den Ihr mir je erwieſen. Darauf ſetzte ſie ſich auf einen gepolſterten Stuhl; ihr zur Rechten ſtanden die beiden Grafen, links der Sheriff und der Rechts⸗ ſekretär Beal, vor ihr der in ſchwarzen Sammt gekleidete Scharfrichter des Towers und ſein gleichfalls ſchwarz angezogener Gehülfe. Nachdem der Befehl zur Hinrichtung verleſen war, ſprach ſie mit lauter Stimme, daß ſie unſchuldig ſei, aber allen ihren Feinden verzeihe. Der Dechant von Peterborough, Dr. Fletcher, unterbrach ſie und ſagte, daß die Köni⸗ gin, obwohl gezwungen, Gerechtigkeit an ihrem Leib zu üben, doch für ihr Seelenheil beſorgt ſei und ihn abgeſandt habe, um ſie von der Kirche, in welcher ſie, wenn ſie darin beharre, verdammt werden müſſe, zur wahren Heerde Chriſti zurückzuführen. Noch könne ſte vor Gottes Augen Gnade finden, wenn ſie ihre Verruchtheit bereue, die Gerechtigkeit ihrer Strafe erkenne und Eliſabeth für die Gunſt, die ſie von ihr empfangen, danke. Maria bat ihn mehrmals, ſich ſelbſt und ſie nicht zu beläſtigen. Aber er fuhr fort, bis der Graf von Shrewsbury ihm befahl zu beten. Maria hörte nicht auf ſein Gebet, das eine Wiederholung ſeiner Predigt war, ſondern betete ſtill für ſich oder ſagte in lateiniſcher Sprache Stellen aus den Pſalmen vor. Dann betete ſie engliſch für die bedrängte Kirche Chriſti⸗ für ihren Sohn Jakob und für die Königin Eliſabeth. Am Schluß hielt ſie das Krucifix empor und rief:So wie deine Arme, o Gott, ausge⸗ ſtreckt waren am Kreuze, ſo nimm auch mich auf in die Arme deiner Barmherzigkeit und vergib mir meine Sünden!Gnädige Frau!