468 Maria Stuart und Eliſabeth.
habe, das Wohnzimmer Eliſabeths in die Luft zu ſprengen. Dieſes un⸗ wahrſcheinliche Attentat, ganz dazu gemacht, Eliſabeth zur Eile zu drängen, verfehlte ſeine Wirkung nicht.„Ich nähre die Schlange, die mich ver⸗ giftet,“ rief ſie aus;„um ſie zu retten, würden ſie mir das Leben ge⸗ nommen haben; ſoll ich mich zur Beute für jeden Böſewicht hergeben?“ In einem aufgeregten Augenblick, am 1. Februar 1587, ließ ſie ſich durch den Staatsſekretär Daviſon den Hinrichtungsbefehl bringen und unter⸗ zeichnete ihn mit raſchem Federzug. Zugleich befahl ſie ihm, zum Kanzler zu gehen und das große Siegel darunter drücken zu laſſen. Am andern Tag ſagte ſie ihm, er ſolle mit der Ausführung ſeines Auftrags noch warten. Daviſon antwortete, das Siegel ſei ſchon darunter. Darauf tadelte ſie ihn wegen ſeiner Eilfertigkeit, gab ihm aber keinen weiteren Befehl. Daviſon wurde unruhig, und übergab den Befehl dem Lord Burleigh. Dieſer verſammelte den geheimen Rath und es wurde am 4. Februar beſchloſſen, die Königin nicht ferner zu beläſtigen, die Ver⸗ antwortung auf ſich zu nehmen und den Befehl ſogleich zu vollziehen. Die Grafen von Shrewsbury und Kent erhielten den Auftrag, das Ur⸗ theil zu vollſtrecken und begaben ſich ſogleich nach Fotheringhay.
Am 7. Februar kamen ſie dort an und kündigten Maria ihre Hin⸗ richtung auf den folgenden Tag Morgens früh um acht Uhr an. Sie nahm die Nachricht ruhig, ſogar freudig auf und bat als letzte Gunſt, ihren noch im Hauſe befindlichen Almoſenier Lepreau als geiſtlichen Bei⸗ ſtand gebrauchen zu dürfen. Die Bitte wurde abgeſchlagen, dagegen der Dechant von Peterborough ihr angeboten, deſſen Anweſenheit ſie ſich jedoch verbat. Beim Abendeſſen aß ſie wenig und trank auf die Geſundheit ihrer Diener, welche ihr kniend dankten und ſie für etwaige Fehler um Ver⸗ zeihung baten. Auch ſie bat die Diener um Verzeihung, ſchrieb in der Nacht Briefe an ihren Beichtvater, ihren Vetter Guiſe und den König von Frankreich, betete lange mit ihren beiden Kammerfrauen und begab ſich um vier Uhr zur Ruhe.
Am 8. Februar verſammelte ſich beim erſten Tagesſchein ihre Diener⸗ ſchaft um ſie. Sie las ihnen ihr Teſtament vor, vertheilte ihr Geld und ihre Kleider unter ſie und ſagte ihnen Lebewohl, wobei ſie die Frauen umarmte und den Männern die Hand zum Kuſſe reichte. Weinend folgten ſie ihr in ihr Oratorlum, wo ſie gegenüber vom Altar Platz nahm; die andern knieten hinter ihr nieder und beteten. Vor acht Uhr wollte man ſie holen laſſen; ſie antwortete, in einer halben Stunde werde ſie berelt


