Jahrgang 
4 (1864)
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Von Wilhelm Müuͤller.

467 ihrer geſchraubten, zweideutigen Manier:Wenn ich ſagte, daß ich eure Bitte nicht zu bewilligen gedenke, ſo ſagte ich bei meiner Treue vielleicht mehr als ich im Sinne habe. Und wenn ich ſagte, daß ich ſie zu bewil⸗ ligen gedenke, ſo ſagte ich mehr als euch zu wiſſen geziemt. So muß ich euch denn eine Antwort geben, die keine Antwort iſt.

Am 22. November wurde Maria das Todesurtheil verkündigt, wor⸗ auf ſie nochmals betheuerte, daß ſie ſich gegen das Leben Eliſabeths nie verſchworen habe. Paulet erklärte nun die Verurtheilte für todt in den Augen des Geſetzes, ſomit auch nicht berechtigt zu den Abzeichen der könig⸗ lichen Würde, ließ daher den Thronhimmel aus ihrem Gemach ſchaffen, ſetzte und bedeckte ſich in ihrer Gegenwart..

Eliſabeth zögerte zwei Monate mit der Unterſchrift. Sah ſie in der Begnadigung Maria's Gefahr für ihren Thron und für ihr Leben, was ihr wenigſtens ihre Miniſter einredeten, ſo erblickte ſie in der Vollſtreckung des Urtheils Schmach und Abſcheu. Denn das fühlte ſie wohl, was die Welt, und nicht bloß die katholiſche, urtheilen werde, wenn es heiße, daß eine Königin von einer verwandten Königin auf das Schaffot geſchickt worden ſei. Die Verwendung Frankreichs und des Königs von Schott⸗ land wurde zurückgewieſen. Am liebſten wäre es ihr geweſen, wenn ihr jemand die Laſt abgenommen und auf ſeine Schultern geladen hätte. Paulet erhielt einen Wink, daß man von ſeinem Haß gegen die Katho⸗ liken und von ſeinem Dienſteifer erwarte, daß er die Verurtheilte heim⸗ lich aus dem Wege räume. Er erwiderte, ſein Leben und ſeine Habe ſtehe der Königin zu Dienſten; nie aber werde er ſein Gewiſſen ſo ver⸗ letzen, noch einen ſolchen Schimpf auf ſeine Nachkommen laden, daß er Blut vergieße ohne Geſetz noch rechtsgültigen Befehl. Eliſabeth zürnte demeigenſinnigen gezierten Burſch; die Entſcheidung drängte. Es blieb ihr nichts anderes übrig, ſie mußte für das, was geſchehen ſollte, ſelbſt einſtehen. Glaubte ſie in ihrem thörichten Wahn nur nach Maria's Tod Ruhe zu haben, ſo mußte ſie auch die Verantwortung, den Haß der Mit⸗ welt, die Verdammung der Nachwelt über ſich nehmen. Sie war in einer

heftigen Aufregung; man hörte ſie öfters die Worte vor ſich hinſagen: aut fer aut feri, ne feriare feri(entweder dulde oder tödte; tödte, damit du nicht getödtet werdeſt). Da kam ein neues Komplot zur Anzeige, in das der franzöſiſche Geſandte Aubeſpine verwickelt ſein ſollte. Es hieß,

das Haus Guiſe habe einen Mann gedungen, der es über ſich genommen 30*