Jahrgang 
4 (1864)
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zuſtehen, aber leidenſchaftlich, wie ſie war, ſetzte ſie auf dieſen Plan eine Fülle von Hoffnungen und befahl Beton, Eliſabeth einen Ring mit einem koſtbaren Edelſtein zu bringen, den dieſe ihr einſt als Pfand ihrer Zu⸗ neigung und ihres Beiſtandes gegeben hatte. Am 16. Mai ſchiffte ſie in einem Fiſcherkahne über die Solwaybucht, landete an der engliſchen Küſte und begab ſich nach Carlisle. Von hier aus ſchrieb ſie einen Brief an Eliſabeth, worin ſie ſie bat, ſie beſuchen zu dürfen, um ſie über die wahre Lage der Dinge aufzuklären.

Sie erhielt zur Antwort, daß es ſich für die jungfräuliche Königin von England nicht gezieme, eine des Ehebruchs und Mordes bezüchtigte Frau zu ſehen, bevor ſich dieſe wegen jener Beſchuldigungen vor engliſchen Kommiſſarien gerechtfertigt habe. Maria war über dieſes Anſinnen empört und erklärte, daß ſie als unabhängige Königin ſich keinem Gericht unter⸗ werfen könne, ein engliſches in keinem Falle als unparteiiſch anerkenne, da es unter dem Einfluß ihres bitterſten Gegners, des Robert Cecil, ſtehe. Sie ſei nach England gekommen, um, den Aeußerungen Eliſabeths trauend, ſich von ihr Hülfe gegen ihre rebelliſchen Unterthanen zu erbitten. Wolle man ihr dieſe nicht gewähren, ſo ſolle man ſie nach Schottland zurück⸗ kehren oder durch England nach Frankreich reiſen laſſen.

Es iſt keine Frage, daß Maria, die durch ihren Leichtſinn und ihre Leidenſchaft manches verſchuldet hatte, von nun an anfing, im Recht, ihre Gegner im Unrecht zu ſein. Indem Eliſabeth den feindſeligen und blut⸗ dürſtigen Rathſchlägen ihrer Miniſter folgte, kam ſie, von Eiferſucht und anderen Dämonen hingeriſſen, genau auf dem Punkte an, welchen ſie Maria ſo ſehr zum Vorwurf machte. Wie man auch über die Königin von England denken, wie hoch man ihre Regierung ſtellen mag: ihr Ver⸗ fahren gegen Maria war ſehr unlauter, von Gerechtigkeit und Großmuth keine Spur, der letzte Akt nichts mehr und nichts weniger als ein Juſtiz⸗ mord. Oder was gingen denn die Händel, welche zwiſchen den Schotten und Maria obwalteten, die engliſche Regierung an? Dieſe maßte ſich allerdings zuweilen ein Oberhoheitsrecht über Schottland an; aber dies war durch nichts begründet, wurde nie anerkannt. Und zudem hätte die engliſche Regierung ſich nicht lange zu beſinnen gebraucht, wer an dem Ausgang dieſer Händel hauptſächlich ſchuld ſei. Durch ihren Geſandten Randolf und durch andere Werkzeuge hetzte und wühlte ſie in Schottland mit einem Aufwand von Fertigkeit und Immoralität, wie wir dies in neuerer Zeit nur unter der Napoleoniſchen und Cavour'ſchen Regierung