Jahrgang 
4 (1864)
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462 Maria Stuart und Eliſabeth.

des Regenten. Ihr Sohn, Georg Douglas, von ihrer Schönheit und ihrem Unglück ergriffen, arbeitete nebſt ihrem Diener Beton an ihrer Befreiung. In der Früh des 25. März 1568 brachte er in Maria's Schlafgemach eine Wäſcherin. Mit dieſer wechſelte ſie die Kleider, nahm einen Pack Wäſche in die Hand und beſtieg den bereitſtehenden Kahn. Aber ihre ſchöne Hand verrieth ſie. Sie wollte das Tuch, das um den unteren Theil ihres Geſichts gelegt war, mit ihrem Arm feſthalten; da rief der Ruderer:das iſt nicht die Hand einer Wäſcherin! Sie wurde erkannt und nach dem ſeeumſchlungenen Lochlevin zurückgebracht.

Georg entfloh und überließ die Befreiung der Königin einem ſech⸗ zehnjährigen Waiſenknaben, welcher der kleine Douglas genannt wurde. Dieſem gelang es, am Abend des 2. Mai, als Lady Douglas bei Tiſche ſaß, die Schlüſſel zu entwenden. Schnell rief er der Königin und ihrer Kammerfrau Kennedy, führte ſie aus dem Schloſſe, ſchloß das Thor hinter ſich zu und warf die Schlüſſel in den See. Der Kahn war ſchon in Be⸗ reitſchaft, und ſie fuhren an das jenſeitige Ufer, wo Georg Douglas und Beton ſie empfingen. Am andern Tag kam ſie auf dem Schloß Hamilton an und widerrief ihre Thronentſagung. Alle Royaliſten und Katholiſch⸗ geſinnten und ſolche, welche den Baſtard Murray nicht über ſich herrſchen laſſen wollten, ſchaarten ſich um ihre Königin. Aber auch Murray rüſtete ſich und führte geübtes Kriegsvolk gegen ſie in's Feld. Von einer Anhöhe bei Langſyde am 13. Mai ſah ſie ihr Gefolge in unordentlicher Haſt auf den Feind losſprengen und nach kurzem Gefecht ebenſo eilig wieder zu⸗ rückfliehen. Da ritt ſie vom Schlachtfeld bis nach der Abtei Dundrennaͤn, 60 Meilen weit. Am andern Tag gieng es weiter, und am Morgen des dritten Tages erklärte ſie ihren Begleitern ihren Entſchluß, bei ihrer guten Schweſter, der Königin von England, Hülfe zu ſuchen. Was ſie, die freilich an extremen Entſchlüſſen Gefallen fand, hiezu bewog, das mochte die Art und Weiſe ſein, wie Eliſabeth über ihre Gefangennehmung ſich äußerte. Sie hatte ſich in den ſtärkſten Ausdrücken über die der Königin von Schottland zugefügte Beleidigung, die alle gekrönten Häupter treffe, beklagt, ſie als die Folge von Knox' Lehre dargeſtellt und gedroht, die Rechte der verletzten fürſtlichen Majeſtät an den ſchottiſchen Lords zu rächen. Dieſe Aufwallung war ſicher eine aufrichtige, aber ebenſo ſicher war, daß Robert Cecil eine andere Meinung hierüber hegte. Hievon wohl unter⸗ richtet, machten Maria ihre Freunde warnende Gegenvorſtellungen, der Erzbiſchof von St. Andrews beſchwor ſie kniend, von ihrem Vorſatz ab⸗

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