18 In Nacht gehüllt.
ſchwerem Herzen dem Entſchluß ihrer Mutter, welchen die Klugheit ge⸗ bot, ſich gefügt, als dieſe das Anerbieten ihres Schwagers angenommen hatte, doch war ſie ſchon ausgeſöhnt mit dem Landleben, und die wechſel⸗ vollen Scenen des heutigen Tages hatten in ihrer Seele, durch das Un⸗ gewöhnliche, das ihr bisher nur die Romane ihrer ziemlich ungeregelten Lecture geſchildert hatten, eine Spannung erzeugt, welche ſie den Worten ihrer Couſtne gern zuſtimmen ließ. Darum war ſie auch einverſtanden mit dem Vorſchlage, gegen niemand etwas von dem Ständchen zu erzäh⸗ len, wenn es nicht von andern gehört worden ſei, in welchem Falle man ſchon zu ihnen davon ſprechen werde.—„Für uns allein war es be⸗ ſtimmt,“ ſagte Lucie,„darum ſo leiſe und feenhaft. Wir müſſen dieſe Delikateſſe ehren, indem wir darüber ſchweigen und abwarten, wie es ſich weiter entwickeln wird. Wir haben dieſe Zauberklänge gewiß nicht zum einzigen Male vernommen. Die Frage iſt nur, wie es in dem Uhland⸗ ſchen Liede heißt: gilt es mir, oder gilt es dir?“—„Dir!“ ſagte Jo⸗ hanna unbedenklich.„Wie könnte es anders ſein! Die Zwillinge müßten mir ihre Aufmerkſamkeit beweiſen wollen, ſonſt kenne ich ja noch keinen Menſchen in der ganzen Gegend.“—„Kann dir nicht ein Troubadour deines Salons nachgeſegelt ſein?“ rief Lucie.„Wir wollen uns aber nicht in großmüthiger Reſignation, eine zu Gunſten der andern, über⸗ bieten. Vielleicht ſingt er morgen und wir hören dann, ob er von blauen
oder ſchwarzen Augen phantaſirt.“
3.
Graf Lauterbach kannte den Offtzier nicht, deſſen Sturz und Berau⸗ bung in ſeinem Forſte ihn zum Gegenſtande ſo vieler Erörterungen ge⸗ macht hatte. Urbiſch war erſt kürzlich in die benachbarte Garniſon verſetzt worden und hatte in der Nachbarſchaft noch nicht überall Beſuche gemacht. Jetzt that der Graf den erſten Schritt. Als er am Tage nach dem Unfall in die Stadt kam, ließ er ſich die Wohnung des jungen Offiziers zeigen und ging zu ihm.—„Der Herr Baron ſind im Stall!“ hieß es.„Hin⸗ ten im Hofe rechts!“—„Melden Sie mich,“ erwiderte der Graf und gab dem Diener ſeine Karte.„Ich werde hier warten.“—„O gehen
Sie immer nach dem Stall,“ ſagte der elegant gekleidete, aber etwas
plumpe Diener, der aus einem ungeſchickten Dragoner in einen faſhionablen Groom verwandelt werden ſollte. Der Herr Baron kriegt dort viel Beſuch!“ Lächelnd gehorchte der Graf. Man öffnete ihm eine große Thüre
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