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Von Bernd von Guſſeck. 19 5*
4 und er trat in einen hohen, ſehr geräumigen Stall, welcher muſterhaft
reinlich, wohl gelüftet und hell war. Drei ſchöne Pferde, in vortrefflicher „condition“ ſtanden unter engliſchen Decken in Kaſtenſtänden und bogen die ſchlanken Hälſe nach dem Eintretenden, auf welchen ein Affenpinſcher von klaſſiſcher Häßlichkeit bellend losfuhr. Aus der offenen Thüre einer Nebenkammer, wo man das Sattel⸗ und Zaumzeug mit blitzenden Steig⸗ bügeln und Kandaren aufgehängt ſah, trat ein junger, hübſcher Menſch im Schlafrock vom eleganteſten Pariſer Geſchmack, lüftete ein wenig das phantaſtiſche Mützchen mit der langen Quaſte, das ihm auf dem glatten Haar ſaß und fragte mit einiger Nachläſſigkeit, was zu Dienſten ſtehe, indem er die Cigarre, die er ſich im Stalle als Herr erlaubte, einen Zoll vom Munde nahm.—„Ich bin Graf Lauterbach und komme mit Ihnen über den unangenehmen Vorfall, der Sie auf meinem Territorium befallen hat, Rückſprache zu nehmen.“— Der junge Offizier war über ſeinen Irr⸗ thum belehrt, zu welchem ihn das ſchlichte Aeußere des Grafen verführt hatte, doch blieb er ganz unbefangen: wie konnte ihm ein Name oder eine Excellenz imponiten? Er verneigte ſich, dankte dem Grafen für ſeine Güte von geſtern und führte ihn nach ſeinem Zimmer.
Einen größeren Contraſt konnte man nicht ſehen, als zwiſchen Stall und Zimmer desſelben Beſitzers. War der Stall ſo ſauber und comfor⸗ table gehalten, daß man ſich förmlich wohl darin fühlte, ſo konnte einen ordnungsliebenden Mann beim Eintritt in das Zimmer, wie luxurtös auch deſſen Möbel waren, die Luſt anwandeln, den Schritt über die Schwelle gleich wieder zurück zu thun. Auf dem Sopha lag ein großer Bulldog, welcher ſeine mongoliſche Phyſiognomie, die Oberlefze freundlich ver⸗ ziehend, ſeinem Herrn zuwandte, ohne ſich derangiren zu laſſen; der Po⸗ liſandertiſch vor ihm war mit dem Geſchirr und den Reſten des Frühſtücks bedeckt, neben welchem ein paar Nummern der„Jagdzeitung“ und der „hippologiſchen Blätter“ lagen; kein Stuhl ſtand an ſeinem Orte, die prächtigen Polſterſeſſel waren mit liegen gebliebenen Sachen gefüllt, am offenen Cylinderbureau mehrere Fächer halb herausgezogen— Toiletten⸗ utenſilien lagen im bunten Gemiſch auf dem marmornen Pfeilertiſch unter dem Bronceſpiegel und der ſtarke Duft eines köſtlichen Parfüms füllte das Zimmer. Der einzige Gegenſtand, welcher das Auge befriedigte, war eine ſchöne Statuette Friedrichs des Großen auf einer Conſole an der
Wand, umgeben von einer geſchmackvoll zuſammengeſtellten Trophäe aus


