Jahrgang 
3 (1864)
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Von Moritz Horſt. 477

Seele nach irdiſchem Geſetz vorüber iſt, von neuem ſich anſetzen. Conora fühlte das, wie Albrecht es in dieſer Stunde gefühlt; ſie waren einen Augenblick eins geweſen in ihren innerſten heiligſten Empfindungen, eins in Leid und Glück, eins in Gott, das iſt mehr als viele Menſchen in Jahren der Vereinigung und äußerer Gemeinſamkeit ſagen dürfen.

Corona! ſagte Albrecht erſchüttert, als ſie ſich erhob und gleichſam, als laſſe ſie auch über ihr innerſtes Leben wieder den Nonnenſchleier fallen, das herabgefallene Schleiertuch über die Bruſt zog.Corona, nach dem, was Ihr mir heut geſagt, müſſen wir für lange Zeit ſcheiden oder uns für alle Zeit angehören wollt Ihr meines äußeren Lebens guter Engel werden, wie in dieſer Stunde der meines inneren Lebens? Meine Mutter würde dich aus Liebe zu mir gern als ihre Tochter auf⸗ nehmen.Nein, das würde ſie nicht, entgegnete die ſchöne junge Frau ruhig und ernſt,und mit Recht, denn dann würde Euch und ſie dieſe Stunde nicht mehr an ein gnadenvolles Wunder des Himmels erin⸗ nern, ſondern nur an einen neuen Irrthum, bei dem nur der Name wechſelte. Nehmt es ſo wie der Himmel es wollte: Gott grüßte Euch, als er Euch, gleichviel ob mit Eurem Willen oder ohne ihn zu mir führte, ſtatt zu einer Sünde an Euch und einem armen verirrten Herzen; von mir aber müßt Ihr in dieſer Stunde Abſchied nehmen, wie von jener armen weißen Roſe, die Gott nicht von Eurer Hand entblättert ſehen wollte. Sie reichte ihm die Hand;Lebt wohl, Herr! ſagte ſie mit der ruhigen ernſten Traurigkeit, die er vor Jahren ſchon an ihr gekannt. Lebt wohl und Gott grüße Euch, Herr.

Er hatte den Arm um ſie gelegt und einen Augenblick fühlte ſie ſeine Lippen auf den ihren, einen Augenblick nur, in dem ihre ernſten ruhigen Augen die ſeinigen nicht verließen, dann bog ſie den edlen Kopf zurück, zog den Schleier feſt unter dem Halſe zuſammen; der Vorhang fiel über dem Myſterium eines edlen und doch ſo einfachen Frauenherzens.

Durch die mondhelle Sternennacht, am Meeresgeſtade hin rollte Albrechts Wagen ſeinem Beſtimmungsorte zu. Auf dem offenen Meere draußen lag der Glanz des Mondes wie geſchmolzenes Silber, hier am Strande verrannen leiſe murmelnd die Wellen wie das Accompagnement des Liebesliedes, das der ſternhelle Himmel der blühenden duftenden Erde in leiſem Windesrauſchen zuflüſterte, das den Wohlgeruch aus den blühen⸗ den Weingärten herabwehte. Da draußen war Albrechts Heimat, das Meer ſeine Geliebte und ſein Freund, das große Seelenband, in dem