Von Moritz Horſt. 471
Katharine verlor keinen Augenblick ihre Ueberlegenheit über Oskar, aber ſie würde dieſelbe Albrecht gegenüber nie beſeſſen haben; ſie ſchmei⸗ chelte Bernulli, indem ſie ihn bat ihrem Manne das Werft zu zeigen, fragte nach der ſchönen Hausfrau, um ſich bei ihr zu verabſchieden, und beruhigte die Contessa, indem ſie jetzt Oskar zum Reiſemarſchall ernannte und ſtatt noch der Gaſt der Contessa zu ſein, dieſe damit zu dem ihren für die Rückreiſe machte, mochte dieſe nun mit Oskars mitgebrachtem Wagen direkt, oder wie früher vorgeſchlagen, auf einem Umweg ange⸗ treten werden. Der Gedanke, der ſie allein und zunächſt beherrſchte, war, doch noch einen Tag zu gewinnen, den ſie mit Albrecht verleben konnte. Alle Leidenſchaftlichkeit ihres Weſens war durch die vorhergegangenen Stunden wachgerufen und ſie würde, hätte Albrecht nur durch ein Wort, ein Zeichen eine ähnliche Leidenſchaft verrathen, durch ihres Mannes Nähe ſich nicht beſchränkt gefühlt haben, da die Contessa ihre Vertraute und Verbündete war. Dazu aber, Albrecht wenigſtens noch zu ſprechen, war ſie um jeden Preis entſchloſſen; er hatte ihr ſein Wort gegeben und ſo weit reichte ihre Macht, ſo maͤchtig war noch die frühere Aufregung, daß auch er entſchloſſen war nicht früher wegzufahren, um ſo eher, als Oskars Poſtillon für ſeine müden Pferde einige Raſtſtunden forderte und bei An⸗ bruch der Nacht, die mondhell zu werden verſprach, und bei der ebenen guten Straße, den Weg zu finden ſich wohl getraute.
„Fahren Sie um acht Uhr weg,“ flüſterte ſie endlich Albrecht zu, nachdem Oskar gegen eine gemeinſchaftliche Fahrt nach Albrechts nächſtem Beſtimmungsort, da ja doch nun zwei Wagen und doppeltes Geſpann da ſeien, entſchieden Einſprache erhoben hatte.„Oskar bleibt dann bis zehn Uhr bei Bernulli, der ihn einlud, und ich erwarte Sie im Garten der Contessa. Sie kennen doch die Ruine, die ſie einen Palaſt nennt? Für morgen muß dann das Glück uns beiſtehen.“
Unter dem Einfluß, den Katharinens verführeriſche Schönheit heute gewonnen, drückte Albrecht zuſtimmend ihre Hand, empfahl ſich der Con- tessa und den wenigen noch verweilenden Gäſten und ging mit ſeinem Gaſtfreunde in deſſen Wohnung. Oskar Zehſen hörte ihn noch auf der Poſt den Wagen für halb acht Uhr beſtellen, er hatte eben noch Zeit eine Cigarre mit ſeinem Wirth zu rauchen. Bernulli empfing die Grüße an ſeine Frau, vergnügt, daß Albrecht verſäumt ſich bei ihr ſelbſt zu verab⸗ ſchieden, und dann nahmen er und ſein neuer Gaſt Abſchied von ihm, Bernulli ganz beruhigt und Zehſen mit dem Entſchluß, ſtatt nach P.


