Jahrgang 
3 (1864)
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Geſellſchaft

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Von Moritz Horſt. 467

er ſchien einen Augenblick überraſcht, dann lächelte er und trat raſch näher, das glänzende lebhafte Lächeln, das in dieſem Augenblick an ſeine anmu⸗ thigſte Jugendſchönheit vergangener Zeiten erinnerte, auf den Lippen.

Er trat näher und begrüßte nun auch Katharine. Sie hatte ihren Feldzugsplan entworfen, den, alle ihre geſellſchaftliche Gewandtheit, ihre geiſtige Ueberlegenheit geltend zu machen und die Möglichkeit einer Neigung Albrechts zu der Frau des Schiffsbauers, der Schweſter ſeines ehemaligen Bootsmannes, gar nicht anzuerkennen. Es war eine Berech⸗ nung, die in jedem anderen Falle dieſer Art vollkommen richtig geweſen ſein würde und nur in einer Vorausſetzung falſch war. Corona war be⸗ deutender, als die ſchöne Frau zu beurtheilen verſtand, nicht weil ſie ſchöner, ſondern weil ſie edler als Katharine Zehſen war und in jedem Blick, jedem Wort den Adel verrieth, an den Katharinens geſellige Ge⸗ wandtheit nicht hinaufreichte.

Albrecht empfand es, es war derſelbe Adel, dieſelbe Vornehmheit der Geſinnung, welche die einfache ſchlichte Margareth Hübel einſt von Katharine Wellenau als die vornehmſte Frau unter allen ihren damaligen Bekannten hatte erkennen laſſen, und er war der Sohn dieſer edlen hoch⸗ gebildeten Frau, der Sohn, auf den ſie nicht nur alle Liebe ihres Her⸗ zens, auch alle in Schmerzen und Ergebung geläuterte Feinheit ihres Geiſtes zu übertragen ſich bemüht, und es gab Augenblicke, wo trotz des Unterſchieds der Jahre und der Lebensintereſſen Albrecht ſich ganz als den Sohn ſeiner Mutter fühlte und Menſchen und Dinge mit ihren Augen anſah. Weil er ein Mann war, jung, ſtolz und leidenſchaftlich und ſie eine Frau, in Schmerzen erprobt, reſignirt und nur jung noch in ihrer Liebe zu ihm, konnten es nur Augenblicke ſein, aber der, in dem er Ka⸗ tharinens Hand mit ſcherzhafter Galanterie flüchtig an die Lippen führte und die Corona's innig drückte und einige Augenblicke in der ſeinen hielt, war ein ſolcher, und er ſelbſt war einer jener Männer, die in einer edlen Frau mit einem einzigen Blick, einem ruhigen Händedruck ein lebhafteres und beglückenderes Bewußtſein ihres eigenen Werthes wach rufen, als die große Menge der Alltagsmenſchen begreifen und nachfühlen kann. Corona empfand dies in dieſem Augenblick, ſie hob ſtolz ihren ſchönen Kopf und trat einem verſpäteten Gaſte mit einem Lächeln entgegen, welches den würdigen geiſtlichen Herrn an ein altes ſchönes Bild erinnerte, in dem

keine allerſeligſte Jungfrau auf goldenen Wolken zum Himmel auffährt.

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