Jahrgang 
3 (1864)
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Von Moritz Horſt. 465

der Schiffsbauer wollte bei dieſer Gelegenheit zeigen, daß er nicht nur ein reicher, ſondern auch ein vielgereister Mann ſei, der wohl zu leben ver⸗ ſtehe. Indeß wollte es Corona faſt erſcheinen, als ob er ihr gefliſſentlich durch mehrere Aenderungen es zuletzt noch zu erſchweren ſuche. Der mehr türkiſche als engliſche Zug ſeiner eiferſüchtigen Liebe trat ſtärker als ſeit langem hervor, bis endlich doch alles geordnet war und er ſchließlich nun doch auch ſeiner Eitelkeit auf Corona's Schönheit nachgab und mit ein paar großen Pappſchachteln in ihr Zimmer trat, in denen ihre heutige Feſttoilette, Kleid, Hut und Shawl enthalten war.

In Corona's tiefen dunkeln Augen lag an dieſem Morgen ein eigener feierlicher und zugleich ſchwärmeriſcher Ausdruck, ein wunderbares, wie verklärtes Lächeln. Hatte ſie die Welt und das eigene Herz wirklich in der ſchlaflos, faſt ganz auf den Knieen neben dem Bette des Kindes ver⸗ brachten Nacht überwunden, oder glaubte ſie es nur, ſie ſchien wie ge⸗ wachſen in dieſer Nacht, höher, ſtiller und würdevoller. Als Vittorio den geſtickten chineſiſchen Shawl, den weißen Krepphut und das zarte lichte Seidenkleid auspackte, ſo zartgrau, daß man es wirklich ſilberfarbig nennen konnte, mit der geſchmackvollen und reichen Garnitur ſchwarzer Spitzen am Saume, da reichte ſie ihm lächelnd die Wange zum Kuß, aber erklärte zugleich mit einer Beſtimmtheit, die der ſonſt herrſchgewohnte Mann noch nie an ihr bemerkt, daß ſie nur das Kleid heute tragen werde, den Hut nie, den ſolle er zurückſchicken, den weißen Shawl, das unent⸗ behrliche Prachtſtück einer wohlhabenden italieniſchen Bürgersfrau werde ſie zu anderen Gelegenheiten aufheben.

War bei dieſem Entſchluß gar keine Coquetterie, nicht die Erkennt⸗ niß, daß dieſe Anordnung, die ihr die Grazie alter Gewohnheit ſicherte, eben auch die vortheilhafteſte ſei? Corona war ja doch eine Frau und eine ſelten ſchöne Frau, ſie hatte oft die Leute, Fremde vorzüglich be⸗ troffen vor ſich ſtehen, ſich nachblicken ſehen; weßhalb hätte ſie nicht am Morgen nach der Nacht, wo ſie ihr Herz und ihre irdiſche Liebe zu den Füßen des dornengekrönten gekreuzigten Heilandes niedergelegt zu haben glaubte, es wünſchen ſollen, dem lang und ſtill geliebten Manne ſich noch einmal in allem Glanz ihrer Schönheit zeigen zu dürfen. Thaten das nicht auch die Bräute des Himmels, ſchmückten ſie ſich nicht an dem Tage, an dem ſie ſich dem himmliſchen Geliebten verlobten, mit aller irdiſchen Pracht, mit all ihrer ihm allein geweihten Schönheit? III. Bd. 30

Hausblätter. 1864.