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4 62 Spätes Erkennen.
eine Ehre für die Schweſter des Matroſen war. Sie war heut die Frau eines Mannes, der in zehn Jahren vorausſichtlich ein reicher Mann wurde und einen Orden im Knopfloch trug, aber der doch niemals Albrecht Hübels Freund ſein konnte. Den ehemaligen Reiteroffizier Oskar von Zehſen konnte der Corvettenkapitän und in zwanzig Jahren der Contre⸗ admiral täglich, ja ſtündlich beſuchen, die ganze Stadt konnte ſein Ver⸗ hältniß zu der Frau des Hauſes kennen, und mußte es doch gelten laſſen, daß er nur der Freund des Mannes ſein könne. Der Gaſt des reichen Schiffsbauers konnte er nur ausnahmsweiſe, in beſonderen Fällen ſein, und wenn man ihn einmal nur neben ſeiner Frau ſah, ſo galt ſie für ſeine Geliebte,— die Welt iſt eben ſo.
Albrecht wußte das, er war ſich ſeines Ranges ſehr wohl bewußt; er hatte zu oft ſich vor Leuten eben nur ihres höheren Ranges wegen beugen müſſen, die er als Menſchen tief unter ſich ſtellte, um nicht auch den ſeinigen zuweilen zu betonen; er hatte ihn nicht ſpielend durch Pro⸗ tektion auf dem Parquet eines Salons erworben, ſondern durch ehrliches Streben und treue Pflichterfüllung; er war ein Fremder geweſen in dem Beruf, den er erwählt, für die, von deren Gunſt oder Nachſicht im An⸗ fang viele Einzelnheiten ſeiner Stellung abhängig waren. So legte er denn nun Werth auf das, was ihm nicht mühelos zugefallen, ja ſelbſt die Enttäuſchung, die Katharine über ſein Herz gebracht, hatte ſeinen Stolz und ſeinen Ehrgeiz erhöht und beſeuert. Alle dieſe Erinnerungen und Bilder drängten ſich jetzt vor ſein inneres Auge, und doch vergaß er in dieſem Augenblick, was er über Bernulli's Eiferſucht gehört, was Ka⸗ tharine ihm eben geſagt. Er ſtieg raſch die Stufen hinauf und ſtreckte Corona ſeine Hand entgegen, als der große ſchwarze Hund plötzlich wie erwachend und ſich beſinnend, die Augen öffnete, herabſprang und ſeine beiden Tatzen Albrecht auf die Schultern legte.
Es gab einen Augenblick der Verwirrung, der Hund bellte und wedelte mit dem Schweif, ſo daß Bernulli, der erſt erſchrocken zuſpringen wollte, nun fragende Blicke von ſeiner Frau auf ſeinen Gaſt warf. Die Contessa lächelte hinter ihrem Fächer, Katharine blickte mit glühenden Wangen und blitzenden Augen auf Corona.„Gehört der Hund Ihnen, Albrecht?“ fragte ſie in ihrer Leidenſchaft, jede Klugheit vergeſſend, mit zitternder Stimme.—„Allerdings, vor zwei Jahren,“ entgegnete dieſer, zur Be⸗ ſinnung gebracht durch Bernulli's Blicke und dieſen Ton.„Nero, alter Burſch,“ ſagte er ſchmeichelnd,„du haſt nicht vergeſſen, daß ich dich ein⸗


