Von Moritz Horſt. 461
Korallen. Ihre ſchwarzen großen Augen ruhten auf Albrecht und der ſchönen Fremden. Als er in dieſe Augen ſah, war es ihm, als ob plötzlich ein Schleier vor ſeinem geiſtigen Auge zerriſſe. Ein Ausdruck erſchütternden
a5 9 3 Leides blickte ihn aus ihren dunkeln Tiefen an, welches die ſtolze ſtrenge 9 f Corona ihren Lippen auszuſprechen für alle Zeit verwehrt haben würde, d tſ das ſie aber ihrem Herzen zu empfinden nicht verbieten konnte. Das hatte aſif ſie dem Manne, der ſeit Jahren ihres Herzens einzige ſtille Liebe geweſen Kebe war, von einer anderen Frau ausſprechen hören, von einer Frau, die . kein Gebot der Sitte, keine Erinnerung an ihre Pflicht abgehalten hatte,
dn 4 es über ihre Lippen treten zu laſſen. md idg Albrecht ſtand einen Augenblick ſchweigend und unbeweglich, Katha⸗ vinens Hand lag zitternd in ſeiner, ſein Blick ruhte auf Corona. Sie
ſtand in dem grünberankten, von den Blüthen des Geisblattes durchduf⸗ teten Bogen, welcher die Gartenpforte überſchattete, einer Art Laube, die Bernulli angelegt hatte, um von ſeinem Arbeitsplatz aus Frau und Kind micht bloß ſich nahe zu wiſſen, ſondern, wenn ſie dort waren, ſelbſt zu ſehen, errufen zu können.
Jetzt umgab das grüne Blätterwerk Corona's bleiche edle Erſcheinung nken als! wie eine Niſche ein Heiligenbild oder eine Statue. Ein ſeltſames Gefühl überkam ihn plötzlich, eine Art Erleuchtung, die er nicht anders auszu⸗ drücken vermocht hätte, als ganz äußerlich ſein Standpunkt ſie hervor⸗ brachte— er blickte zu Corona auf und auf Katharine herab. Dieſe war die reizendere, geiſtig die begabtere, kein Reiz ſinnlicher Grazie und Schönheit fehlte ihr, ſelbſt nicht der des eigenen Bewußtſeins ihrer Schön⸗ heit, der vollkommenen Erkenntniß ihrer Macht; ſie war ſich derſelben bewußt, aber ſie kannte auch ihren Umfang und ihre Grenzen, und ver⸗ ſtand es, dieſe Grenzen vergeſſen zu machen, weil ſie ihnen nie zu nahe fam. Sie war eine ſchöne und ſelten anmuthige Frau, durch keine Pflicht an ſich ſelbſt gefeſſelt, frei den Regungen ihres Herzens ſich überlaſſend, und ſie liebte Albrecht, ſie hatte es ihm eben geſagt, ſie ſcheute die Welt Auclut micht, wenn es ſich um ihre Liebe handelte, und war ſicher, daß ſie ſich keinem Zwang zu unterwerfen brauche, ſicher ihrer Herrſchaft über den ſchwachen unſelbſtſtändigen Gemahl.
Corona dagegen war eine einfache Frau, ihr Bruder hatte einſt Al⸗ brecht gegenüber in einer Stellung ſich befunden, die dieſen beinahe als mnumſchränkten Gebieter erſcheinen ließ. So hatte Albrecht ſie zuerſt fkennen lernen, in einer Lage, wo jede geringfügige Höflichkeit ſeinerſeits
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