458 Spätes Erkennen.
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die Damen verſuchten gleichfalls eine Wendung. Die eine war nicht ganz jung und mehr auffallend als elegant gekleidet, auch die zweite überſchritt in ihrer Toilette der Linte, welche die nur der Mode folgende Weltdame von der Frau trennt, welche Aufſehen erregen will, aber dieſe Uebertrei⸗ bung entbehrte keineswegs des Geſchmackes und erſchien mehr pikant als übertrieben. Sie nahm mit graziöſer Bewegung das ſchleppende helle Kleid zuſammen, das ein Ueberwurf von koſtbaren Spitzen faſt bis zum Saum verhüllte; ihr braunrothes Haar, von einem Netz gehalten, lag in grazilöſer Nachläſſigkeit auf ihren Schultern, ein kleiner Hut mit aufge⸗ ſchlagener Krempe ließ ihr Geſicht unbeſchattet— es war Katharine von Zehſen.
Albrecht ſah dies erſt in dem Augenblick, wo er ſchon dicht vor ihr ſtand und ſie raſch aus dem Halbdunkel hervortrat. Die Contessa Vin- centini begrüßte ihn lebhaft, freute ſich, ihm den kleinen Dienſt erweiſen zu können, machte ihm ſcherzhafte Vorwürfe über frühere Vernachläͤſ⸗ ſigungen und ſtellte ihm ſchließlich die Freundin vor, die Baronin Zehſen. Katharine unterbrach ſte.„Herr von Hübel und ich ſind alte Freunde von unſern Müttern her, die als Kinder zuſammen geſpielt haben,“ ſagte ſie und reichte Albrecht die Hand; ſie zitterte in ſeiner und ihre Augen ſprachen aus, was die Lippen jetzt verſchweigen mußten:„Deinethalb bin ich hier.“
Vittorio Bernulli unterbrach die ſtumme Scene. Es gehörte zu den Geheimniſſen ſeines Glückes, daß er den günſtigen Augenblick auszunutzen verſtand, ſelbſt auf Koſten einiger Höflichkeitsformen. Die beiden Damen waren ihm läſtig von dem Augenblick an, wo Albrecht Hübel ihn be⸗ grüßte. Er hatte ihn als einen der ausgezeichnetſten Seeoffiziere nennen gehört, er ſelbſt entnahm aus Fragen und Antworten Albrechts, daß der Ruf ſeine Kenntniſſe nicht überſchätzte, und er ſagte ſich, daß es für ihn äußerſt wichtig ſei, dieſem Stellvertreter einer weit höheren Machtvoll⸗ kommenheit gleichfalls den Eindruck von Tüchtigkeit und Verſtändigkeit zu machen. Ohne viele Umſtände entſchuldigte er ſich daher bei den Damen, befahl einem Arbeiter ſogleich ſeine Frau zu holen, damit ſie die Damen begrüße, und als die Contessa vorſchlug, dieſen Boten ſogleich zu begleiten, nahm er dies an und führte ohne viele Entſchuldigungen Albrecht in die tieferen Räume des Schiffes hinab, und als dieſes beſich⸗ tigt war, auch zu dem zweiten und zu den noch im Bau begriffenen.
Albrecht ließ ſich führen, er war ergriffen und aufgeregt von der


