Jahrgang 
3 (1864)
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456 Spätes Erkennen.

Der Beamte, für den ein Ofſizier der Kriegsmarine von Albrechts Rang und mehr noch von ſeinem Anſehen eine Art Halbgott war, that ſein Möglichſtes, kam aber doch nach einer Stunde achſelzuckend zurück. Poſtpferde waren unmöglich, aber eine Gelegenheit bot ſich; die Gräfin Vincentini war gekommen und hatte einen Gaſt bei ſich, der noch nie ein Schiff vom Stapel hatte laufen ſehen. Die Damen waren deßhalb herübergekommen und fuhren am Abend nach der Feierlichkeit zurück; ſicher war, daß die Gräfin mit Freuden Herrn von Hübel für eine Fahrt von drei Stunden ihren Wagen anbiete. Die Damen wollten zugleich das Amphitheater in P. ſehen und von dort mit dem Dampſſchiff zurück⸗ fahren. Im Ganzen war dieſer Ausweg ein verſtändiger, da eben abſolut außer einer für einen Offizier unmöglichen Carrete keine andere Fahrge⸗ legenheit aufzutreiben war; aber eine alte, halb aufgegebene Bekanntſchaft nur aus Noth erneuern zu müſſen, war keine angenehme Ausſicht.Viel⸗ leicht weiß Bernulli Rath, tröſtete endlich der Hafenkapitän.Gut, ſo gehen wir zum Werfte, ſagte Albrecht.

Sie gingen am Strande hin, der erhöht an dieſer Seite für die Stadt eine ſchöne Promenade bildet, von Platanen beſchattet, unten rauſchte das Meer, und bald ſahen ſie die Werfte von San Giorgio, die beiden Schiffe auf ihren Balkengerüſten, das eine ein Geripp erſt, wie ein rie⸗ ſiger Leviathan, das andere bis auf die Maſchinen vollendet mit Gewin⸗ den und Wimpeln verziert. Auf dem Werfte und am Strande herrſchte buntes Leben, eine Tribüne war errichtet und wurde mit Draperien ge⸗ ſchmückt, Kränze und Epheugewinde aufgehangen.

Der Tag iſt nicht ohne Bedeutung für die Stadt, bemerkte der höfliche Führer;es iſt ſeit mehr als fünfzig Jahren das erſte große Schiff, das von Grund aus hier gebaut wird. Bernulli hat Mittel und iſt ein unermüdlich fleißiger Mann. Er braucht Handwerker, hat Arbeiter hergezogen, die doch ihren Verdienſt wieder hier verzehren. Alles das iſt gut und erfreulich und verdient wohl, daß man ſeiner Eitelkeit ein wenig ſchmeichle, das liebt er.So, warf Albrecht ziemlich gleich⸗ gültig ein.Was iſt denn das für ein neues Haus dort, es ſieht ja ganz elegant aus.Es iſt es auch, obwohl kein neues Haus. Ber⸗ nulli hat es nur ausbauen und herrichten laſſen, er wohnt mit ſeiner ſchönen Frau darin, und in dem etwas kleineren, aber auch reſtaurirten Hauſe ſein Schwager Marco Bembo.So iſt Bernulli verheirathet? Seit anderthalb Jahren etwa.Und lebt glücklich? fragte Al⸗