Jahrgang 
3 (1864)
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Von Moritz Horſt. 3 455

Geheimniß. Was thut die Baronin, NB. ihr Vater iſt ſeit ein paar Jahren baroniſirt und ihr Mann gar nicht. Sie nimmt eine goldene Haarnadel und ſticht ſie ſich einen Zoll tief in ihren wundervollen weißen Arm, und indem ſie es thut, fragt ſie den Freiherrn lächelnd, aber todten⸗ bleich vor Schmerz und mit einer Ohnmacht ringend, ob er ſie zu zwin⸗ gen hoffe. Die Geſchichte, ſo barok ſie klingt, iſt eine Wahrheit, der Freiherr war halb geärgert, halb gerührt, als er ſie erzählte, meint, ſie ſei keine gewöhnliche Coquette, ſondern eine außergewöhnliche, und das verlorene Spiel thue ihm nun erſt recht leid; dies als Anmertung zu ihrer auffallend eifrigen Erkundigung nach Dir.

Indeß manche Leute behaupten, Alberico, daß Du in einer Stim⸗ mung ſeieſt, wo Du weder Luſt an einem raſchen Pferd, noch an einem blanken Schwert, noch einem ſchönen Weib, noch für ſonſt einen edlen Zeitvertreib hätteſt, ſo will ich Dir noch eine andere Neuigkeit mittheilen. Es werden ſechs Kanonenboote und zwei Panzerfregatten gebaut und jene ſo ſchnell, daß man zwei davon, nämlich Kanonenboote, in einem kleinen Neſt bauen läßt, von einem gewiſſen Bernulli, dem Schwager des Gran Marco. Ich ärgere mich darüber, nämlich darüber, daß der hübſche Burſch ſo dumm war, ſeiner Heirath halber den Abſchied zu nehmen. Daß man viele Dummheiten für Frauen begehen kann, weiß ich und ſehe alle Tage Beiſpiele in nächſter Nähe, aber daß man für eine Frau eine ſo koloſſale begeht, ſie zu heirathen, das verſtehe ich nicht und hoffe ich nie zu lernen.

Albrecht hatte dieſen Brief damals zur Seite gelegt, er war noch nicht ruhig genug, um bloß über ihn zu lächeln. Auch Corona und ihr Verlobter, oder ihr Mann vielleicht, intereſſirten ihn wenig in jener Stimmung, und ſelbſt als er den Auftrag erhielt, in Abweſenheit des Hafenadmirals des nächſten Kriegshafens, dem Stapellauf des erſten jener beiden Kanonenboote offiziell beizuwohnen, dachte er dabei weit weniger an das ſchöne ernſte Mädchen mit den melancholiſchen Augen, als an den unbequemen Landweg, den dieſer Auftrag ihn ſtatt des bequemen See⸗ wegs zu machen zwang.

Er kam gegen Abend in der kleinen Stadt an, wo er im Hauſe des Hafenkapitäns ein Nachtlager finden ſollte. Als er dieſen erſuchte, ihm für den morgenden Tag, ſowie die Mittagsglut etwas vorüber ſein werde, eine Extrapoſt zu beſtellen, zuckte er lächelnd die Achſeln:Das möchte unmöglich ſein.So behalte ich die Pferde, mit denen ich kam, be⸗ ſtimmte Albrecht etwas kurz.