Jahrgang 
3 (1864)
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450 Spätes Erkennen.

mer auch einzelne größere oder kleinere Wohnungen ſammt der Einrich⸗ tung vermiethet und einem lange in ſeinen Dienſten ſtehenden Kutſcher die am Eingange des Gartens gelegenen Stallungen in eine Wirthſchaft umzuwandeln geſtattet, für die er einen bedeutenden Pacht zahlen konnte, da es zum Ton gehörte, Sonntags ausgenommen, nach Herrenegg zu fahren, beim Waſtel Kaffee zu trinken, im Schloßgarten zu promeniren und der Militärmuſik zuzuhören, die wöchentlich einmal dort ſpielte. Die Generalin fand dieſe ganze Einrichtung plebejiſch und krämerhaft, für die Bewohner des Schloſſes höchſt unbequem, da ſie keine Stunde ungeſtört in ihrem Eigenthum wären; der junge Beſitzer gab das zu, brachte aber die Höhe der Pachtſummen in Anſchlag, wenn auch mehr in bittender, als beſtimmter Weiſe.

Der General, geſtört durch das laute Geſpräch, brummte bloß über unvernünftige Weiberwirthſchaft, die dem Jungen ganz den Kopf ver⸗ drehe, und ſtand dann auf. Baron Achaz ſchlug vor, den Garten abzu⸗ ſchließen, dagegen aber proteſtirte der Wirth, der dann ſogleich zu kün⸗ digen drohte auch er fand die Pachtſumme anſehnlich, umſomehr als Zehſen nicht das ganze Jahr auf Herrenegg leben würde.Aber für eine Dame iſt es ganz unmöglich dann hier zu leben, entſchied die Ge⸗ neralin,Catin, hab' ich nicht Recht? rief ſie die bisher theilnahmloſe Tochter zur Entſcheidung auf. Das ſchöne Mädchen blickte auf, lehnte den Kopf in die Hand, blickte Oskar Zehſen zerſtreut und lächelnd an und nickte. Die Generalin drang ſiegreich vor, Baron Achaz folgte des Vaters Beiſpiel, der junge Zehſen blieb mit den Damen allein.Es iſt unbequem, ſagte Katharine,chère maman, die Leute ſind ſo gewohnt hierher zu kommen, man würde es ſehr unfreundlich finden, wollte der neue Herr die Erlaubniß aufheben. Für den Anfang wenigſtens ſollte es Oskar beim Alten laſſen.

Der junge Mann ſtrahlte vor Freude und griff nach Katharinens Hand, um da, wo zwiſchen dem Spitzenärmel und dem däniſchen Hand⸗ ſchuh ein Streifen weißer Haut unbedeckt blieb, ſeine Lippen auf dieſes zierliche Handgelenk zu drücken.Liebſte Catin, ſagte er und ſeine hell⸗ blauen, etwas ſinnlichen Augen hafteten glühend auf dem ſchönen Mäd⸗ chen,wenn du es unbequem fändeſt, würde ich es dennoch abſchaffen aber du biſt ſo gut, und wenn du einwilligen wollteſt, Herrin von Herren⸗ egg zu ſein, ſo würde uns das vielleicht mehr Vergnügen machen, als wenn wir ganz allein in dem alten Neſte hauſen ſollten meinſt du