Jahrgang 
3 (1864)
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448 Spätes Erkennen.

ſeinen praktiſch erworbenen Kenntniſſen auszufüllen, eine techniſche Schule beſucht. Corona's Heirath wurde durch dieſe Aenderung ſeiner Verhält⸗ niſſe etwas hinausgeſchoben, Albrecht erinnerte ſie, ſeine Einladung nicht zu vergeſſen, und verſprach ein Hochzeitsgeſchenk in Paris einzukaufen. Mein Verlobter wird mich ſelbſt dahin führen, hatte Corona ruhig entgegnet,bringt mir alſo von Paris nichts mit, Herr. Sie hatte es nicht ohne einen Ausdruck von Stolz geſagt, der Albrecht betroffen machte. Ihr wollt mir eine Freude verderben, Corona, ſagte er.Nein, ſchenkt mir jetzt etwas laßt mir Curen Hund da, Ihr könnt ihn nicht mitnehmen.

Es war eine ſchwarze engliſche Dogge; vor einem Jahre etwa hatten die Offiziere derWaſſernixe bei einem Ritt in's Gebirg den ſchönen Hund bei einem Kohlenbauer halb verhungert an der Hütte angebunden gefunden. Der Mann mochte ihn in der großen Stadt, in der er ſeine Kohlen wöchentlich zum Verkauf führte, eingefangen haben, der Hund aber nahm kein Freſſen von ihm an, fuhr zornig auf ihn zu, ſobald er in die Nähe kam, und winſelte vor Freude beim Anblick der blau und goldenen Uniformen. Der Mann war froh, einige Gulden für den ge⸗ fährlichen Gefangenen zu erhalten, und Albrecht hatte ihn mit ſich auf's Schiff genommen, mehr des Hundes als ſeinetwegen. Seit dieſer Zeit hatte ihn der Hund treulich und dankbar ſtets begleitet, wenn er an's Land ging, zu Corona, und auch jetzt lag er zu ſeinen Füßen.Verſucht, ob er bei Euch bleibt, Corona, ſagte Albrecht, und wirklich ſchien das kluge Thier ihn zu verſtehen, als er ihm gebot zurückzubleiben; er wedelte erſt bittend und blieb dann doch neben dem Mädchen ſtehen, als Albrecht ſich entfernte.

Der nächſte Morgen war ſehr ſchön, ein klarer Junitag, der Himmel rein und wolkenlos, die Berge ſtanden in warmen ſommerlichen Duft ge⸗ hüllt, und in dem Thal blühte das Getreide einer reichen Ernte entgegen.

Es war ein wunderſchönes Thal; darüber lag am Fuß des Gebirgs⸗ zugs die Stadt mit ihren weißen Häuſern, überragt von einem früheren feſten Schloß. Weit und fruchtbar zogen ſich Fruchtfelder und blühende Dörfer längs des Fluſſes hin, und dem ſanft dahinfließenden wald⸗ bedeckten Höhenzug zu Füßen lag Schloß Herrenegg mit ſeinem Park, der ſich in den Wald verlor, mit ſeinen ſchönen Gärten und Spring⸗ brunnen, dem Bärengraben, der das Schloß umgab, und wo noch immer einer jener braunen Geſellen gehegt wurde. Die Zugbrücke war in eine