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Von Moritz Horſt. 447
annehmbare Partie ſei.— Dann habe der Bruder ſich um die reiche, aber bürgerliche Erbin beworben, alles ſei im glücklichſten Gange ge⸗ weſen, Katharine immer noch oft zu Frau Margareth gekommen, da habe der Oberſt, der Vater der langjährigen Liebe Achaz von Wellenau's, an jenes bürgerliche reiche Mädchen ſelbſt geſchrieben, dieſe ſei in Folge dieſes Briefes zurückgetreten, Wellenau's aber, die ganze Familie, auf die unter⸗ deß von dem jungen Zehſen angekaufte Herrſchaft Herrenegg hinausge⸗ zogen, wo ſie noch ſeien. Katharine ſei von dort nicht mehr in die Stadt gekommen und habe nur einmal ein flüchtiges Billet an ihre alte Freundin geſchrieben, das Albrecht jetzt mit finſterer Ruhe überlas— ſie erwähnte ſeiner nicht darin.„Ich reite morgen hinaus,“ ſagte er.
Mutter und Sohn verbrachten eine ſchlafloſe Nacht. Albrecht dachte an ſeine erſte Unterredung mit Corona, in der er ihr von Katharine ge⸗ ſprochen; kaum acht Tage ſpäter hatte er damals vom Oberkommandeur den Befehl erhalten, ihn ſo bald als möglich in Southampton zu treffen, wo ohnedies der Oberbefehlshaber ſelbſt in kürzeſter Zeit für einige Tage erwartet werde, der eben Gaſt am engliſchen Hoſe war. Schon dieſer Zu⸗ ſatz mußte jede Verzögerung beſeitigen, einer näheren Berührung mit dem ſehr kenntnißreichen und eifrigen, einem fürſtlichen Hauſe angehörigen Oberkommandanten konnte für Albrecht Hübels ganze Zukunft bedeutungs⸗ voll ſein.—„Dennoch willſt du morgen hier bleiben?“ fragte die Mutter beſorgt;„kannſt du es, Albrecht?“—„Ein Nachtquartier müßte ich von ** bis Hamburg nehmen, ich nehme es hier und gehe dann mit Schnell⸗ zügen bis an die Küſte; es handelt ſich um mein inneres Leben, Mama.“ Er glaubte ſchon ſelbſt nicht mehr an eine Wendung zum Glück, er, der noch vor vierundzwanzig Stunden von Corona Abſchied nehmend, des Erfolgs bei ſeiner Werbung ſo gewiß geweſen war!
Vittorio Bernulli, Corona's Verlobter, hatte die letzten Monate in der zweitgrößten Hafenſtadt der Küſte zugebracht, wo er ein dort be⸗ ſtehendes Compagniegeſchäft, bei dem er betheiligt geweſen, ſeiner Heirath wegen auflöste, um künftig die ihm gehörende Werfte in ſeiner Geburts⸗ ſtadt, vereint mit ſeinem Schwager Marco, zu vergrößern und auf eigene Hand zu leiten. Vittorio Bernulli war reich von ſeinem Vater, der einen einträglichen Holzhandel betrieben hatte, auch keineswegs ein unge⸗ bildeter Menſch, ſondern in ſeinem Fache tüchtig und intelligent; er hatte in Holland und England auf Schiffswerften gearbeitet, trotz ſeines Ver⸗ mögens von der Pike herauf gedient und ſpäter, um etwaige Lücken in


