Jahrgang 
3 (1864)
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Spätes Erkennen.

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ſtand zitternd aufAlbrecht! rief ſie und es war nur Schmerz und Angſt, keine Freude in ihrem Ton,Albrecht, was willſt du thun? Der Sohn ſtand einen Augenblick todtenbleich und ſtumm auf der Schwelle, ſeine ſchon erhobenen Arme ſenkten ſich herab, und wenn er noch einen Zweifel gehegt, ſo war dieſe Art des Empfanges die Beſtä⸗ tigung jener im Waggon vernommenen Andeutungen; aber der Stolz ließ ihn der Mutter gegenüber äußerlich ruhig bleiben.

Ou irrſt, liebe Mutter, ſagte er,mich führt ein für mich ehren⸗ volles Ereigniß im Fluge zu dir; ich gehe im Auftrag des Oberkom⸗ mando's nach England.Iſt es wahr, Albrecht? Du biſt verſtört, deine Hände zittern ja, ſagte die Mutter, deren Blick nicht durch den Schein äußerer Ruhe zu täuſchen war.Ich bin zwölf Stunden ge⸗ fahren und habe die vorige Nacht nicht geſchlafen, entgegnete er, aber ſeine Zähne ſchlugen aneinander, als er ſprach.Glaubſt du mir noch immer nicht, Mama, ſieh hier die Papiere.Es iſt gut, dem Himmel ſei Dank! ſagte die Mutter aus Herzensgrunde,Albrecht, mein armer Junge, dieſe Reiſe wird dich, wie ich glaube, einen Glückstraum leichter vergeſſen laſſen.Iſt ſchon alles verloren? fragte er äußer⸗ lich ruhig.Ich fürchte, Albrecht.Und Katharine?Wird wie alle von ihrer Mutter beherrſcht und gefliſſentlich über die wahren Verhältniſſe in Unwiſſenheit erhalten. Im Schreck über die Entdeckung wird ſie ohne Weigerung dem letzten Rettungsverſuch ſich unterwerfen. Daß ſie nie den Ernſt des Lebens, nur Glück und Sonnenſchein kannte, gereicht ihr zur Entſchuldigung, mein lieber Albrecht.So laß mich ſie morgen noch ſehen vielleicht. Die Mutter küßte des Sohnes blaſſe Lippen.Nach dem, was vorgefallen, mußt du das thun, Albrecht, aber waffne dich mit Muth.

Die Mutter erzählte dem Sohn, wie nach und nach die Generalin, nach dem Volksausdruck, mit der wahren Farbe herausgekommen ſei; es datirte ſeit der Anweſenheit der Herzogin, die eine zärtliche Neigung für das ſchöne Mädchen gefaßt hatte. Bei dem Manoeuvre am Tage nach dem Diner habe ſie Katharina zu Pferd begleiten müſſen, damit war ſie nun die erklärte Königin aller Geſellſchaften geworden. Die Generalin hatte die Faſten hindurch jede Woche empfangen und man hatte bis Mit⸗ ternacht getanzt, das Beiſpiel fand Nachahmung. Dazu traf gerade der reiche Pflegebruder im rechten Augenblick als Gaſt im Hauſe ein, als die Generalin zu bemerken angefangen, daß unter all den Verehrern keine