Jahrgang 
3 (1864)
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70 Die Beſchießung von Kopenhagen.

ſich von ihm keine Billigung derſelben verſehen konnte, daher er nach beſtem Wiſſen und Gewiſſen das däniſche Kabinet über jeden Verdachts⸗ grund beruhigte. Es kam ſogar noch am 2. Auguſt Taylor als außer⸗ ordentlicher Geſandter nach Kopenhagen und erklärte dem däniſchen Mi⸗ niſter Graf von Bernſtorff, daß er von ſeinem Souverän den Auftrag habe, dem Könige von Dänemark die aufrichtigſten Verſicherungen ſeiner Freundſchaft zu überbringen. Der Geſchäftsträger Riſt beklagte ſich end⸗ lich über das Anhalten der däniſchen Schiffe und über das Ausbleiben aller Nachrichten vom Feſtland, worauf ihm der Staatsſekretär Canning am 28. Auguſt erwiderte,„daß die Anhaltung der däniſchen Schiffe eine bloße Vorſichtsmaßregel ſei, welche man in Folge zuverläßiger Anzeigen, daß britiſche Unterthanen und britiſches Eigenthum in den Staaten Sr. Däniſchen Majeſtät gewaltſam angehalten worden, ergriffen habe.“

So wurde Dänemark auf jede Weiſe im Dunkeln gehalten und auf eine falſche Fährte geſührt. Nur Napoleon, der das gleiche Handwerk wie die Engländer trieb, ließ ſich von ihnen nicht täuſchen. Sobald er von dem Auslaufen der Flotte hörte, errieth er auch ſogleich die Richtung derſelben und äußerte ſich, als er aus dem preußiſchen Feldzug nach Paris zurückkehrte, in der erſten Audienz ſehr ungehalten gegen den däniſchen Ge⸗ ſandten, daß ſeine Regierung nicht energiſche Maßregeln ergreife. Die Mah⸗ nung kam zu ſpät. Die engliſche Flotte war bereits am 27. Juli und am 2. Auguſt in zwei Abtheilungen ausgelaufen. Die eine ſteuerte nach dem Belt, um Seeland von den übrigen Provinzen Dänemarks abzuſchneiden, die andere unter dem kommandirenden Admiral Gambier ging geradezu auf den Sund los und warf am 3. Auguſt vor Kronenburg Anker. Die Engländer ſalutirten die Feſtung, gingen an's Land, benahmen ſich ſehr freundſchaftlich und kauften Fleiſch und Gemüſe in ungeheuren Vorräthen ein. In Kopenhagen war man außer Sorgen. Niemand dachte an Ver⸗ theidigungsanſtalten, niemand an die Zurückberuſung des Heeres, um die von Truppen entblößte Hauptſtadt und die Inſeln gegen einen Korſaren⸗ ſtreich zu beſchützen. Der Kronprinz Friedrich, welcher für ſeinen geiſtes⸗ kranken Vater Chriſtian VII. die Regierung führte, ſtand mit etwa 20,000 Mann in Holſtein, um ein franzöſiſches Corps, welches unter Bernadotte die Hanſeſtädte beſetzt hatte, zu beobachten. Wenn das Gewitter raſch zum Ausbruch kam, ſo konnte man das bemitleidenswerthe Schauſpiel ſehen, wie die Landesarmee ſich da zur Vertheidigung aufſtellt, wo es

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