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68 Die Beſchießung von Kopenhagen.
alles deſſen, was England ſeit den Jahren der Tudor ſo groß gemacht hatte, um ſeine Verfaſſung, ſeine Seemacht, ſeinen Handel. Es ließ ſich vorausſehen, daß Napoleon als Beſieger Englands ſich nicht damit be⸗ gnügen werde, den Unterworfenen einen reſpektablen Koſtenzettel zu über⸗ reichen, ſondern daß er den ganzen Scharffſinn ſeines erfinderiſchen Geiſtes aufbleten werde, um die reichen Adern des gewaltigen Seehandelsvolkes zu unterbinden und das moderne Karthago zu einer ähnlichen Rolle herabzudrücken, wozu die Römer die ſtolze Dido⸗Stadt und König Phi⸗ lipp II. von Macedonien verurtheilt hatten. Die Zeiten Wilhelms des Eroberers kehrten dann wieder, die politiſche und induſtrielle Entwicklung des Staates war um Jahrhunderte zurückgeworfen.
Solch grelle Bilder ſchwebten dem engliſchen Kabinet, in welchem George Canning und Lord Caſtlereagh eine hervorragende Stelle ein⸗ nahmen, bei der Nachricht der freundſchaftlichen Unterhaltung der beiden Kaiſer auf dem Floß bei Tilſit vor. Es war allerdings eine Möglich⸗ keit, doch fand ſich nirgends eine poſitive Beſtätigung der Berechtigung ſolcher Beſorgniſſe. Im Gegentheil erklärte der engliſche Geſandte in Kopenhagen, der ehrliche und rechtſchaffene Garlike, daß gar kein Grund zu Befürchtungen vorliege, daß in ganz Dänemark nirgends irgend welche Rüſtungen ſich bemerklich machen. Es mochte dies wahr ſein. Aber wenn es hintendrein anders kam? Wenn das friedliche Dänemark mit Gewalt in eine kriegeriſche Strömung hineingeriſſen und zu Fährmanns⸗ dienſten für die franzöſiſchen Marſchälle gepreßt wurde? John Bull konnte nicht mehr ſchlafen. Was für Troſtgründe ihm auch ſeine Beichtväter auf das Herz legten, es wollte nichts mehr fruchten, ſeine Ruhe war dahin, und nicht bloß in nächtlichen Nebelbildern, ſondern am hellen Tage, bei glänzendem Sonnenſchein glaubte er die Maſten der däniſchen Schiffe auf der Themſe zu erblicken, alle Räume voll von Franzoſen, die Seiten mit Kanonen geſpickt, und ſchon ſcholl ihm das entſetzliche vive l'empereur! in die Ohren, die Sonne von Auſterlitz ward eigens zu dieſem Zweck engagirt,— er war ein armer, geſchlagener Mann. Da beſann er ſich noch einmal, die knochige Matroſenfauſt ballte ſich wie zu einem Entſchluß, und in wenigen Wochen ſtand eine Flotte von 23 Li⸗ nienſchiffen, 9 Fregatten und 500 Transportſchiffen zum Auslaufen bereit. Jedermann wunderte ſich, wem dieſe große Zurüſtungen gälten, und man wurde durchaus nicht klüger, als Lord Caſtlereagh am 31. Juli im Par⸗


