Jahrgang 
3 (1864)
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Von Reinhold Seeger. 67

geheuers nicht blindlings zu ſvollziehen. Neapel und Griechenland, das ausgeſaugte Oſtindien und China gar nicht zu erwähnen, können noch aus neueſter Zeit die ſchlimmſten Geſchichten erzählen.

Kaum hörten die Engländer vom Abſchluß jener Konvention, ſo verlangten ſie von Dänemark, daß es wieder zurücktete und ihrer Flotte die ungehinderte Fahrt durch den Sund geſtatte. Dies wurde verweigert, und nun ſegelte eine engliſche Flotte von 54 Schiffen gegen die Oſtſee, kam ziemlich unbeſchädigt durch den Sund, und Viceadmiral Nelſon griff am 2. April die däniſche Flotte vor Kopenhagen an. Die Dänen, von dem tapferen Olfert Fiſcher befehligt, wehrten ſich über vier Stunden mit erbitterter Tapferkeit, mußten aber der Uebermacht nachgeben, und wenn ſie nicht ihre Hauptſtadt einer Beſchießung ausſetzen wollten, in einen Waffenſtillſtand willigen.

Der Abſchluß des Tilſiter Friedens gab den Engländern auf's neue Veranlaſſung, ſich in ihrer wahren Natur zu zeigen. Sie behaupteten ſteif und feſt, daß unter den geheimen Artikeln dieſes Vertrags ſich einer be⸗ finde, wornach Dänemark zum Anſchluß an Frankreich gezwungen und ſeine Flotte zu franzöſiſchen Zwecken verwandt werden ſolle. Wenn Na⸗ poleon die Alternative, welche er zwei Jahre vorher an den Kurfürſten Friedrich von Württemberg in dem Schloß zu Ludwigsburg ſtellte, jetzt an die däniſche Regierung richtete und ihr keine andere Wahl ließ, als entweder für ihn oder gegen ihn zu ſein, ſo war es allerdings klar, daß der kleine Normannenſtaat einem ſo ungeheuren Druck nicht widerſtehen konnte. Es war möglich, daß dann Napoleon die däniſche Flotte dazu benützte, ein zahlreiches franzöſiſches Heer nach England zu werfen, um dieſes letzte Bollwerk europäiſcher Selbſtſtändigkeit in einen Schutthaufen zu verwandeln. Denn kein Staat hatte von Napoleon, wenn er ſich ihm an den Nacken hängen konnte, ſo viel zu fürchten als England, nicht bloß wegen des inſtinktiven und immer auf's neue geſchürten Haſſes, der ſein rachedürſtendes Gemüth beſeelte, ſondern auch wegen der ſpectfiſchen Beſchaffenheit dieſes Inſelreiches. Oeſterreich konnte Provinzen verlieren und beinahe über die Leitha zurückgedrängt werden; es blieb in ſeinen Grundzügen ſich gleich und ſah immer noch eine Menge von Hülfsquellen in reichem Sprudel fließen. Anders in England. Wenn die franzöſiſchen Fahnen in London wehten, ſo handelte es ſich nicht nur um ein Stück Land und allenfalls um ein ſchönes Stück Geld, ſondern um den Beſtand

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