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54 Das Geheimniß des Advokaten.
und er ſank halb ohnmächtig in die Kiſſen zurück. Lenor rief aus dem anſtoßenden Zimmer die barmherzige Schweſter herbei, die ihm eine be⸗ lebende Arznei reichte; dann fuhr er in leiſem, gebrochenem Tone fort: „Von dem Augenblick meines Ruins an fühlte, wußte ich, daß Sie für mich auf immer verloren waren. Ich konnte dies ertragen. Ich glaubte nicht, daß mein Leben von langer Dauer ſein werde, denn der Stern der Hoffnung, der Sonnenſtrahl der Liebe war daraus entſchwunden. Vogue la galère! Mochte es ſeinen eigenen, dunklen Weg gehen bis zum Ende. Ich ſage, ich konnte dies ertragen, nicht aber den Gedanken an Ihre Ver⸗ achtung, an Ihren Haß— das war zu bitter. Ich konnte nicht zu Ihnen kommen und ſagen:„Ich liebe Sie, habe Sie immer geliebt; ich liebe Sie, wie ich nie zuvor liebte und nie wieder zu lieben hoffe; aber ich bin ein Schelm, ein Betrüger, und Sie können nie die meine werden.“ Nein, Lenor, dies vermochte ich nicht; und doch nahte der Tag Ihrer Volljährigkeit heran. Es mußte ein Schritt geſchehen, und das einzige, was mir dieſe Schmach erſparen konnte, war die Großmuth Henry Dal⸗ tons.— Ich hatte viel von dem Adoptivſohn Ihres Onkels gehört und war in Arden oft mit ihm zuſammen gekommen; darum kannte ich ihn als einen ſo edelſinnigen, treuherzigen Mann, wie nur je einer unter der Sonne wandelte, und beſchloß im Vertrauen auf ſeine Großmuth, ihm den ganzen Sachverhalt zu enthüllen.„Er wird mich verachten; aber lieber dies, als die Verachtung des Weibes, das ich liebte.“
„So ſagte ich zu mir ſelbſt, und an einem Abend— dem näm⸗ lichen, an welchem er Sie zum erſtenmal geſehen und den Zauber Ihrer Schönheit in ſich aufgenommen hatte,— es war der Abend des Tages, an welchem Sie Ihre Volljährigkeit angetreten— nahm ich ihn nach meiner Wohnung in den Verulam⸗Buildings, ließ mir unbedingte Geheimhaltung deſſen, was ich ihm enthüllen würde, zuſchwören, und ſagte ihm alles. — Sie begreifen jetzt die peinliche Lage, in welcher ſich Henry Dalton befand. Das Vermögen, das Sie ihm der allgemeinen Annahme nach zubrachten, war nicht mehr vorhanden, und Sie beſaßen nichts, als die Rente von hundert Pfunden, die aus der Verlaſſenſchaft Ihrer Mutter ſtammte. Sein feierlicher Eid hinderte ihn, dies Ihnen zu entdecken, und drei Jahre duldete er ſchweigend Ihre Verachtung. Urtheilen Sie nun ſelbſt, welches ſchwere Unrecht ich ihm zugefügt habe. Sie ſehen jetzt, welches edle Herz Sie quälten und mit Füßen traten.“—„Ach, Horace,
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