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Von E. Dom. Brand. 41
rührt zurückſchob.„Was fehlt dir doch, Lenor? Biſt du krank?“— „Nur etwas angegriffen von der Reiſe. Sie müſſen mich entſchuldigen, Tante— es iſt bald elf Uhr.“—„Ja, und die Ruhe wird dir beſſer thun, als alles. Gute Nacht, mein liebes Kind. Liſette— du erinnerſt dich doch der Liſette?— ſoll ausſchließlich die Aufwartung bei dir be⸗ ſorgen, bis dein Mädchen an unſere franzöſiſchen Bräuche gewohnt iſt.“
Erſchöpft von der eine Nacht und einen Tag ununterbrochen fort⸗ geſetzten Reiſe ſchlief Lenor gut, und als ſie am anderen Morgen erwachte, ſaß die Tante an ihrem Bett.„Mein liebes Kind, du ſiehſt nach der Nachtruhe viel beſſer aus. Dein Mann wollte dich nicht mit ſeinem Abſchied ſtören, hat aber dieſen Brief für dich zurückgelaſſen.“—„Iſt Dalton fort?“—„Ja. Er ſprach von dringlichen Geſchäften, von einem Gerichtsumgang oder etwas derart,“ entgegnete die Tante.„Der Brief hier wird ohne Zweifel alles erklären. Er hat Vorſorge getroffen, daß du während deines Aufenthalts bei mir alle Bequemlichkeit findeſt— ſcheint überhaupt ein ſehr aufmerkſamer Ehemann zu ſein, meine liebe Leonor.“—„Er iſt ſehr gut,“ antwortete Lenor mit einem Seufzer.— Nachdem ſich die Tante entfernt hatte, öffnete ſie den Brief— ſie that es mit einer Bangigkeit, die ſie nicht unterdrücken konnte. Ihr Leben war während der ereignißvollen letzten paar Tage ſo ganz anders gewor⸗ den. Trotz ihrer Gleichgültigkeit, ja, ihres Widerwillens gegen Henry Dalton, fühlte ſie ſich, nun er ſie verlaſſen, doch hülf- und ſchutzlos. Sie konnte ſich der Hoffnung nicht erwehren, ſein Brief dürfte eine Auf⸗ klärung über ſein Benehmen, ein Verſöhnungsanerbieten enthalten. Hierin täuſchte ſie ſich. Das kurze Schreiben lautete, wie folgt:
„Meine liebe Lenor.— Wenn Sie dieſe wenigen Abſchiedszeilen erhalten, bin ich auf dem Rückweg nach England. Indem ich Ihrem Wunſch willfahrte und Sie in das Haus zurückführte, in welchem Sie Ihre Jugend verbrachten, glaube ich zu Ihrem Beſten gehandelt zu haben. Mögen Sie nie erfahren, wie ſehr Sie mich verkannten, und wie irrig Sie die Beweggründe des mir aufgezwungenen Benehmens deuteten. Es iſt mir nicht möglich, von dem Uebermaß der Leiden zu ſprechen, die das traurige Mißverſtändniß von Ihrer Seite über mich verhängt hat. Doch geben wir das Geſchehene der Vergeſſenheit anheim. Unſere Wege gehen fortan auseinander; ſollten Sie aber in Zukunft je eines Berathers, eines


