Jahrgang 
3 (1864)
Einzelbild herunterladen

42 Das Geheimniß des Advokaten.

eifrigen uneigennützigen Freundes bedürfen, ſo bitte ich Sie dringlich, ſich an niemand anders zu wenden, als an Henry Dalton.

Das Blatt entſank ihrer Hand.Jetzt jetzt bin ich in der That allein. Was habe ich verſchuldet, daß ich nie aufrichtig und wahrhaft geliebt werden konnte? Das Opfer einer Intereſſeheirath! Ach, es iſt bitter. Und der Mann der einzige Mann, den ich hätte lieben können nein, nein, der Gedanke an ſeine Gleichgültigkeit iſt zu ſchmerzlich!

Sechstes Kapitel. Horace Margrave's Bekenntniß.

Das Leben in dem Faubourg St. Germain kam Lenor nach der brillanten Londoner Geſellſchaft, an die ſie ſeit ihrer Verheirathung ge⸗ wöhnt war, ſehr traurig vor. Die Viſitenliſte ihrer Tante war ſehr beſchränkt. Vier oder fünf alte Wittwen, welche meinten, daß alle Herr⸗ lichkeit der Welt entſchwunden ſei mit den Bourbonen, und daß Frank⸗ reich, an der Spitze des großen Marſches der Civiliſation, den Reigen anführe in dem Teufelstanz, der nur zum Verderben und zur Errichtung einer neuen Guillotine auf dem Revolutionsplatz führe; zwei oder drei ältliche, aber glaubwürdig conſervirte Ariſtokraten des alten Regimes, deren politiſche Grundſätze aus dem Jahr 1783 datirten, und die deßhalb gewiſſermaßen den Ormolu⸗Uhren jener Periode glichen ſehr ſchön verſchnörkelt und vergoldet, aber völlig untauglich, die Stunde des Tages anzuzeigen; drei oder vier in Klöſtern erzogene ſehr junge Fräulein, die ſich für nichts intereſſirten, als für Lamartine's Gedichte und für die be⸗ rühmteſten Spitzenfabriken; und endlich ein ſchrecklich ſchnurr⸗ und backen⸗ bärtiger Herr, der einen Band Gedichte mit dem TitelWolken und Nebel geſchrieben, aber noch nicht das Glück gehabt hatte, einen Ver⸗ leger zu finden dies war ungefähr der Viſitenkreis in der Rue St. Dominique, welchem Lenors Tante an einem beſtimmten Tag ihr Haus öffnete und den ſie an beſagtem Tag mit eau sucrée, ſchwarzem Kaffee und Waffeln bewirthete.

Zufällig war ſchon der erſte Tag nach Lenors Ankunft der Empfang⸗ tag ihrer Tante, und der Abend entſchwand ihr ſo ſchleppend, daß ſie

mei