Jahrgang 
3 (1864)
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40 Das Geheimniß des Advokaten.

Margrave Lebewohl ſagen und von dem Wechſel unterrichten, der in unſerem Plan ſtattgefunden hat.Dies iſt ſchon in meinem Brief geſchehen, Lenor. Sie werden kein Wort mit Horace Margrave ſprechen, ſo lang ich unter dieſem Dach bin.Wie Sie wollen, antwortet ſie unterwürfig. Sie hat plötzlich Gehorſam, wenn auch nicht Achtung gelernt gegen ihren Gatten.

Henry Dalton verhält ſich während der kurzen Fahrt nach der Eiſen⸗ bahnſtation ſehr ſchweigſam. Beim Ausſteigen ſagte er:Sie werden wohl Ellis bei ſich haben wollen? Sie nickt, und ihr Mädchen folgt ihr in das Coupé. Es ſcheint, als liege es in der Abſicht ihres Gatten, ein téte-à-téte mit ihr zu vermeiden. Während der vierſtündigen Fahrt findet Lenor, daß ſie unwillkürlich das vom trüben Licht der Wagen⸗ lampe erhellte ernſte, ruhige Geſicht ihres Gatten betrachten muß. Es iſt unmöglich, in dieſer glatten weißen Stirne, in den ſinnigen blauen Augen eine Aufregung zu leſen; aber ſie erinnert ſich des Bebens ſeiner Stimme, als er in dem Beſuchzimmer mit ihr ſprach.Er hat doch Gefühl, denkt ſie.Wenn ich ihm am Ende doch Unrecht gethan hätte wenn dieſem ſeltſamen Geheimniß etwas anderes zu Grund läge, als Gemeinheit und Habſucht? Liebt er mich wirklich, und ich habe ihn verkannt, wie niedrig muß er von mir denken.

Sie langten am anderen Abend nach Einbruch der Dunkelheit in Paris an, und Lenor befand ſich nach Ablauf von faſt vier Jahren wieder in der Rue Saint Dominique, in dem kleinen Beſuchzimmer ihrer Tante. Sie wurde von der letzteren mit offenen Armen aufgenommen. Henry Dalton half ihr über das Auffallende in ihrer Ankunft weg, indem er ſagte, er ſelbſt habe ihr dieſen Beſuch empfohlen.Alles wird ſich in der Zukunft von ſelbſt aufklären, Lenor, ſagte er.Vorläufig wollen wir die Trennung nur als eine zeitweilige darſtellen. Ich möchte Ihre arme Tante nicht beunruhigen.

Du erhältſt dein altes Schlafzimmer wieder, ſagte die Tante. Seit du mich verlaſſen haſt, iſt darin nichts verändert worden. Sieh ſelbſt! Sie öffnete die Thüre eines kleinen Gemachs neben dem Be⸗ ſuchzimmer, in welchem Pariſer Uhren, Spiegel und Roſavorhänge gegen die ſubſtanziellere Ausſtattung das Uebergewicht behaupteten.Du ſiehſt ſehr übel aus, mein liebes Kind, ſagte ſie beſorgt, als Lenor das kalte Huhn, das ſie ihr unter gehörigem Zuſpruch vorgeſetzt hatte, unbe⸗