Jahrgang 
3 (1864)
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Von E. Dom. Brand. 17

mich des Mangels an theilnehmender Sorgfalt für Sie zeihen oder mir zur Laſt legen, daß ich das Andenken Ihres verſtorbenen Vaters, meines trefflichen gütigen Freundes, nicht genug ehre, ſo beſchuldigen Sie mich wegen Dingen, für die man mich ebenſowenig verantwortlich machen kann, wie für die Farbe meines Haares oder den Schnitt meines Geſichts. Sie klagen mich um einer Sache willen an, die vielleicht der Fluch meines Daſeins iſt wegen eines Herzens, das ſeiner Natur nach eben keine tiefe Zuneigung zu faſſen vermag. Sie ſehen in mir einen Mann, der ſeine fünfunddreißig zurückgelegt hat, ungeliebt und liebeleer, ohne irgend ein Band, das ich nicht ebenſo leicht brechen kann, als ich eine Gaſthofs⸗ rechnung bezahle oder meinen Reiſeſack ſchnüre. Mein Leben iſt im gün⸗ ſtigſten Fall nur ein trauriges eine trübſelige Gegenwart, aus der ich weder auf eine ſchönere Vergangenheit zurückſchauen noch in eine glück⸗ lichere Zukunft blicken kann.

Während der letzten Worte geht ſeine tiefe muſikaliſche Stimme in

eine wehmüthige Cadenz über; er betrachtet düſter die Spitze des Rohrs, das er in der Hand hält und mit dem er zerſtreut Figuren auf den Teppich zeichnet. Nach einer kurzen Pauſe blickt er auf und fährt fort: Doch Sie wollten einige Fragen an mich richten?Ja. Welche Stipulationen ſind in meinem Ehvertrag gemacht worden? Sie ſagten mir damals nichts davon, und ich bin ſo wenig an Geſchäftsſachen ge⸗ wöhnt, daß ich nicht danach fragen mochte. Auch hatte ich zu jener Zeit Grund, ihn für einen der ehrenhafteſten Männer zu halten.Welche Stipulationen? wiederholt er, als habe er eine ſolche Frage am aller⸗ letzten erwartet.Ja, in Betreff meines Vermögens. Wie viel davon iſt mir zugeſchrieben?Kein Penny! Sie blickt überraſcht auf er fährt in der gleichgültigſten Weiſe von der Welt fort: In dem Teſtament Ihres Onkels ſteht keine Silb Er vermachte das Geld Ihnen, aber unter der Bedingung, daß Sie es mit ſeinem geliebten Adoptivſohn Henry Dalton theilen ſollen. Dies be⸗ weist nicht nur ſeine große Zuneigung, ſondern auch ſein unbedingtes Vertrauen zu dem jungen Mann. Hätte man das Vermögen mit Stipu⸗ lationen belegen oder Ihnen zuſchreiben wollen, ſo wäre dadurch die Ab⸗ ſicht Ihres Onkels vereitelt worden. Dem Mann ſeines Vertrauens mußten auch Sie trauen. Aus dieſem Grund habe auch ich nie von einem Leibgeding geſprochen. Es war dies vielleicht nicht ganz geſchäftsmäßig; Hausblätter. 1864. III. Bd. 2

und Kein Penny. e von Stipulationen.