Jahrgang 
3 (1864)
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Von E. Dom. Brand. 15

und dort eine Seite oder zwei, wo das Buch eben auffällt; ſie geht an einen Stickrahmen, gibt ſich Mühe mit Ausleſen und Vergleichen der farbigen Wolle, fädelt auch einige Nadeln ein, ſobald aber dies geſchehen, macht ſie keine drei Stiche; dann ſchlendert ſie zerſtreut im Zimmer hin und her, betrachtet die Gemälde und hauptſächlich die werthvollen Kupfer⸗ ſtiche, welche die ſilbergrauen Wände ſchmücken; endlich aber fühlt ſie ſich ſo erſchöpft, daß ſie ſich bei dem offenen Fenſter in einen tiefen Arm⸗ ſeſſel wirft und läſſig auf einen Liliputwald von Heliotropen und Pelar⸗ gonien in der ſonnenheißen Straße hinunterſchaut.

Sie ſieht ſehr lieblich, aber nichts weniger als glücklich aus. Die Fülle ihres dunkelbraunen Haars iſt aus der Stirne zurückgeſtrichen und am Hinterkopf in einen prächtigen Knoten zuſammengeſchlungen; ihr ein⸗ facher weißer Morgenanzug hat keinen anderen Schmuck, als einige breite Vöiolettſchleifen, und an Pretioſen trägt ſie nur eine feine goldene Kette, die ſie unaufhörlich um ihren weißen Finger dreht. So ſitzt ſie wohl ſchon eine halbe Stunde da, auf die Blumen in dem Parterrebalkon des gegenüberliegenden Hauſes niederſchauend. Plötzlich fährt ſie auf und reißt in der Aufregung das Kettchen von ihren Fingern. Was gibt es? Sie hat die Perſon geſehen, auf welche ſie gewartet. Ein Gentleman, der auf der andern Seite der Straße heraufgekommen, ſetzt unter ihrem Fenſter über den Weg und klopft an die Thüre.Endlich! ſagte ſie. Jetzt wird ſich vielleicht dieſes Geheimniß aufklären. Ein Diener kündigt Herrn Margrave an.Endlich! wiederholt ſie und erhebt ſich von ihrem Sitz, während er eintritt.O Herr Margrave, wie habe ich mich nach Ihnen geſehnt. Er ſieht ſich auf dem überfüllten Tiſch um, ob er unter der faſhionablen Streu nicht einen Platz für ſeinen Hut finde. Da ihm dies nicht gelingt, ſo legt er ihn auf einen Seſſel ab und bemerkt mit einem unbekümmerten Blick auf die Dame:Nach mir ſich geſehnt, meine liebe Lenor warum?Weil ich ein paar Fragen an Sie zu richten habe, die Sie mir beantworten müſſen.

Jener eigenthümliche Ausdruck in Margrave's Augen, den ich einen Lidkrampf nennen möchte, zuckte für einen Moment auf, aber nur ſo kurz, daß es Lenor Dalton nicht? bemerkte. Er ließ ſich neben ihr, nicht ihr gegenüber, auf einen Seſſel nieder, deſſen Lehne er dem Licht zukehrte und entgegnete:Meine liebe Lenor Frau Dalton, wollte ich ſagen,

können Sie mich über etwas anderes, als über Geſchäftsangelegenheiten