Zur Lecture. 477
können, als daß ihre Autoren alles Mögliche und ſogar Unmögliche ge⸗ leiſtet haben. Es ſind faſt alle„Ausſtrömungen des deutſchen Gemüths“, und man muß ſich nur ganz verwundert fragen, wo um Gottes willen denn nur der abſcheuliche Materialismus ſtecken möge, der alle deutſche Poeſie immer erſtickender einſpinnen ſoll. Wir bekommen wenigſtens noch alle Tage die eklatanteſten Gegenbeweiſe an Gedichtſammlungen aller Art.
Georg Schober, Erinnerungen an Preußens oſtaſiatiſche Expedi⸗ tion. Danzig. Kafemann. 1863.
Aber du willſt ja von Gedichten ſprechen! ſagt der hochverwunderte Leſer zu uns.— Nun, es iſt ja auch„eine Reiſebeſchreibung in Reimen“, noch dazu mit ganz beſonderer Berückſichtigung Seiner Majeſtät Fregatte „Thetis“, und mit Zeichnungen von B. v. Wittkowski. Wir erhalten eine höchſt gewiſſenhafte Reiſebeſchreibung in guten und ſchlechten Reimen. Der Verfaſſer thut, was er kann, ſo heißt es von Hongkong:
„Dieſe Inſel iſt zwar klein,
Dennoch aber, unbeſtritten—
Ob ſie gleich nur Fels und Stein— Höchſt bedeutend für die Britten.“
Dann fährt er von Hongkong nach Manila:
„In Hongkong verweilten wir nicht lange: Nur zwölf Tage;— aber amuſant War die Zeit verfloſſen,—“ „Manila, die älteſte ſpaniſche Stadt Der Inſeln, genannt Philippinen, Erhebt ſich am äußerſten Strande und hat Bedeutenden Umfang nach Innen.“ iſt die Möglichkeit; ſagen die Leſer vermuthlich, und wir auch. Heinrich Freimuth, Gedichte. Leipzig. Wengler. 1863.
In der„Autokritik als Vorwort“ macht ſich der Verfaſſer erbarmungs⸗ los herunter, erklärt ſogar, er habe„das Zeug“ nur drucken laſſen, um das Schreibefieber los zu werden, und ſomit wollen wir ihm wünſchen, daß ihm Letzteres wenigſtens gelungen iſt. Wir wüßten von dem Büch⸗ lein nichts weiter zu ſagen, als daß die meiſten eingeſtreuten Ueberſetzun⸗ gen den Anforderungen nicht genügen, welche wir neuerdings an derglei⸗ chen zu machen gewöhnt wurden, und eben faſt nur Ueberſetzungen ſind.


