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468 Bilder aus dem Leben Blüchers.
den Pulsſchlag dieſer Perſonen, ſondern machten ſie in allem Ernſt nach⸗ denklich und zur Befolgung bereit oder wenigſtens geneigt. Einen Stein, Blücher, Gneiſenau und Wilhelm von Humboldt konnte er freilich mit dieſem hohlen Zuckerwerk nicht täuſchen; doch war ſein Einfluß und ſeine Stellung von nun an für die Entſcheidung minder gefährlich, da ihn ſein Magnet unwiderſtehlich nach Norden rief.
Er zog Ende Novembers mit einem Theil der Nordarmee von Han⸗ nover ab. Der andere Theil unter Bülow ſchlug eine andere Richtung ein. Dieſem General, welcher im letzten Feldzug unter Bernadotte ein ſo ſchwieriges und widerwärtiges Kommando gehabt hatte und all ſeine glänzenden Erfolge unter fortwährenden Händeln mit dem Oberbefehls⸗ haber erzwingen mußte, ſchlug endlich auch die Stunde der Erlöſung. Gneiſenau hatte die Monarchen darauf aufmerkſam gemacht, wie leicht es im jetzigen Augenblick ſei, Holland zu erobern, und ſo vom Norden her in Frankreich einzudringen, während die anderen Heere vom Oſten aus vorrückten. Bülow erbat ſich die Erlaubniß zu dieſer Unternehmung, er⸗ hielt ſie mit der Beſtimmung, daß auch das ruſſiſche Corps unter Wintzin⸗ gerode ihn unterſtützen ſolle, und befreite in wenigen Wochen faſt ganz Holland. Mit den übrigen Truppen kam Bernadotte vor Hamburg an und hatte nun die beſte Gelegenheit, ohne von irgend einer Seite eine Gefahr befürchten zu müſſen, dem wüſten Geſellen Davouſt für ſein paſcha⸗ mäßiges Benehmen die verdiente Züchtigung zu bereiten. Aber wie er im Frühjahr keinen Schritt gethan hatte, um die unglückliche Stadt bei dem Herannahen der übermüthigen Horden zu beſchützen, ſo hatte er auch jetzt nicht im Sinne, im Kampf mit franzöſiſchen Truppen ſeine„Popu⸗ larität“ auf's Spiel zu ſetzen und ſeinen norwegiſchen Appetit auf eine längere Geduldsprobe zu ſtellen. Alles, was er that, war, daß er mit Marſchall Davouſt unterhandelte und ihn zur Uebergabe der Stadt auf⸗ ſorderte, wogegen er ihm„freie Rückkehr nach Frankreich zum Nieder⸗ rhein mit Wehr und Waffen, allem Kriegsmaterial, allem Eigenthum des Heeres, mit der Berechtigung, gleich wieder am Kampfe Theil zu neh⸗ men,“ anbot. Ja, er machte ihm noch beſonders bemerklich, wie nützlich Napoleon 20,000 ſtreitbare Franzoſen im gegenwärtigen Augenblick ſein müßten.
Dieſe gewiſſenloſen und unerhörten Anerbietungen hätte Davouſt mit Freuden angenommen, wenn ihm nicht die Behandlung des Marſchalls


