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Von Wilhelm Müller. 467
rieth den Rheinübergang auf's dringendſte, warnte mit großmütterlicher Altklugheit und Beſorgtheit vor einer Verletzung des franzöſiſchen Natio⸗ nalſtolzes und meinte, man müſſe es ſorgfältig vermeiden, als Sieger zu Frankreich zu ſprechen. Man dürfe ſich nicht das Anſehen geben, den Frieden anzubieten oder vollends zu gewähren, ſondern man müſſe die Gewährung des Friedens von Frankreich erbitten. Und wenn man dieſe Gnade nicht erlange und im Frühjahr den Krieg erneuern müſſe, ſo ſei alles aufzubieten, daß man die franzöſiſche Nation beruhige, ihr die vergeblichen Friedensverhandlungen mittheile und erkläre, daß man nur gezwungen und ungern ſich über den Rhein wage. Vor allem aber müſſe man in dieſen Proklamationen Napoleon von Frankreich trennen und laut verkünden, daß man nicht gegen die franzöſiſche Nation Krieg führe, ſondern nur perſönlich gegen Napoleon, den Mann, der zu Frank⸗ reichs und Europa's Schaden den Frieden nicht gewähren wolle. Dabet müſſe man die Verſicherung hinzufügen, daß man durchaus nicht beab⸗ ſichtige, Frankreichs Größe und Ehre irgend anzutaſten. Dem König von Preußen ließ er durch General Kruſemark ſchreiben, daß er, falls man ſo glücklich ſei, den Kaiſer Napoleon vom Throne zu ſtürzen, ſeine— Bernadotte's— perſönliche„deßfallſige Hoffnungen“ nicht zu kühn finden und wohl auch nicht bezweifeln werde, daß ſeine Erbebung auf den fran⸗ zöſiſchen Thron für die preußiſche Monarchie ein ſehr vortheilhafter Tauſch ſein würde.
Damit noch nicht genug, ſandte er den preußiſchen Major Grafen von Kalkreuth in dieſer Angelegenheit an den König, nachdem er ihn in einer längeren Unterredung zu überzeugen geſucht hatte, daß die Ausfüh⸗ rung ſeines Planes ſehr leicht und allen Parteien ſehr wünſchenswerth ſei. Er ſprach mit dem Major von ſeinen Verbindungen und von ſeiner Popularität in Frankreich und beſaß Einfalt und Schamloſigkeit genug, den preußiſchen Offizier darauf aufmerkſam zu machen, daß ſein ganzes Verfahren während des letzten Feldzuges ſeiner Popularität bei ſeinen Landsleuten gewiß nicht Eintrag gethan habe, eine Ueberzeugung, die Angeſichts der Namen Hamburg, Großbeeren, Dennewitz, Leipzig ſicherlich nicht unberechtigt war. Und dieſe Worte, bei deren Leſung man ſich ver⸗ wundert fragt, ob denn dies ein Menſch von geſunden Sinnen habe ſpre⸗ chen und einem ganzen Congreß von Monarchen und Diplomaten habe mittheilen können, wirkten nicht etwa bloß auf die Lachmuskeln oder auf
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